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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2013
Gehätschelt und doch betrogen?
Familien in Deutschland
Der Inhalt:

Chillen in der Leichenstellung

von Ursula Baatz vom 11.10.2013
Wie spirituell ist Yoga? Jahrtausende standen Körperübungen nicht im Zentrum. Erst vor hundert Jahren wandelte sich Yoga mit der modernen Körperkultur zum Gesundheitssport

Eine junge Studentin der Wirtschaftswissenschaften stolpert aus Versehen in einen Yoga-Kurs, »fängt Feuer« und beginnt eine Intensiv-Yoga-Ausbildung in den Hauptstädten des modernen Yoga: in New York, Boston, Los Angeles. Zwei Jahre später, nach ihrem Studienabschluss, beschließt sie, sich nur noch dem Yoga zu widmen, und baut eine gut gehende Yoga-Akademie und Yoga-Ausbildung auf – eine von mehreren im deutschen Sprachraum. »Kopfstand-Fabriken« nennt der Spiegel solche Unternehmen, in denen manchmal bis zu tausend Personen pro Jahr zu Yoga-Lehrern ausgebildet werden. Yoga-Lehrer ist ein Beruf mit Zukunft: In Deutschland und in der Schweiz werden Yoga-Stunden von den Krankenkassen bezahlt, vorausgesetzt, die lehrende Person hat mindestens 500 Ausbildungsstunden absolviert.

Das ist eine erstaunliche Karriere für eine Übungspraxis, der man nachsagt, ihren Ursprung vor 5000 Jahren in den Veden, den heiligen Texten Indiens, zu haben. Im Westen wurde Yoga um 1900 bekannt und ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts richtig populär.

Doch was ist Yoga eigentlich? Ein Gericht in Kalifornien kam kürzlich zu dem Schluss, Yoga sei Sport, nicht Religion. Eltern hatten eine Klage gegen den Yoga-Unterricht an der Schule ihres Kindes eingebracht. Doch die Grenzen sind fließend: In vielen Yoga-Schulen hängen Bilder der indischen Gottheit Ganesh, Räucherstäbchen brennen, und oft beginnt der Unterricht mit dem Rezitieren von Sanskrit-Texten oder der heiligen Silbe Om. Dann kommen büromüde Körper ins Schwitzen bei der Übung des »Sonnengebets«, um am Ende in der »Leichenstellung« zu entspannen und wohlig erfrischt in den Abend zu gehen.

»5000 Jahre alt sind diese Übungen sicher nicht«, sagt Mark Singleton, Yoga-Lehrer und namhafter Forscher in Sachen Geschichte des Yoga. Das älteste überlieferte Yoga-Lehrbuch stammt von Patañjali, der irgendwann zwischen dem 2. Jahrhundert vor Christus und dem 4. Jahrhundert nach Christus lebte. Der Körper spielte da kaum eine Rolle. Es ging um die Übung des Atmens und des Bewusstseins. Yoga übte Mann vorwiegend als zölibatärer Einsiedler, doch es scheint auch Frauen gegeben zu haben, die Yoga übten.

Die Asanas (Körperübungen) des Hatha-Yoga sind später, zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert, entstanden, als Unterstützung der mentalen Übungen. Dass sich die Körperübungen als eigenes Übungssystem

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