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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2012
Wenn es den Himmel gäbe
Gott in der Literatur der Gegenwart
Der Inhalt:

Mit dem Rollstuhl in die Wüste

von Sabine Damaschke vom 05.10.2012
Bonner Förderschule pflegt Partnerschaft zu Schule in Djerba

Einen schön verzierten Dolch hat er sich aus Djerba mitgebracht. Ein Messer, mit dem er schnitzen und Zitronen schälen kann – und das ihn an Kamele, Palmen und das Meer erinnert. Die Klassenfahrt auf die tunesische Mittelmeerinsel Djerba war die weiteste Reise, die Hendrik in seinem 17-jährigen Leben gemacht hat. Und die eindrücklichste, sagt der autistische Förderschüler aus Bonn. »Das ist eine ganz andere Kultur dort«, erzählt er. »Die Menschen kleiden sich anders, sie essen anders und reden anders als wir.«

Trotzdem verstand sich Hendrik sofort mit den Jugendlichen, die er im Herbst 2010 auf Djerba besuchte. Denn sie müssen genau wie er mit einem Handicap leben. Seit zehn Jahren organisiert die Bonner Christophorusschule regelmäßig einen Austausch mit dem Behindertenzentrum Utaim in El May. Viermal flogen Schüler einer zehnten Klasse nach Djerba, viermal kamen tunesische Jugendliche zum Gegenbesuch nach Bonn.

Finanziert werden die Klassenfahrten größtenteils vom Entwicklungspolitischen Schulaustauschprogramm in Berlin. Es fördert auch die Reisen der tunesischen Schüler. Für sie seien die Klassenfahrten nach Bonn noch aufregender als für die deutschen Jugendlichen, sagt die stellvertretende Vorsitzende des Utaim-Trägervereins, Rabiaa Querimi. »Kaum eine Familie war schon mal in Europa, erst recht nicht mit einem behinderten Kind.« Behinderung sei in den meisten Familien ein Grund, sich zu schämen, berichtet Querimi. Daher würden viele Kinder zu Hause versteckt. »Ihnen nicht nur den Schulbesuch zu erlauben, sondern sie auch noch so weit reisen zu lassen ist vielen Eltern zunächst unheimlich gewesen«, erinnert sich die Lehrerin. Die Klassenfahrt habe die Schüler selbstständiger und selbstbewusster gemacht.

Die Schule in El May betreut 88 behinderte Schüler im Alter zwischen 5 und 32 Jahren. Klassische Unterrichtsfächer gibt es nicht. Stattdessen lernen die Schüler, von denen der Großteil geistig behindert ist, Keramikwaren herzustellen. So können sie später einige Dinar verdienen und damit zum Familieneinkommen beitragen. Der Verkauf der Produkte trägt auch zur Finanzierung des Behindertenzentrums bei, das siebzig Prozent seiner Kosten selbst erwirtschaften muss. Den Rest finanziert der tunesische Staat. Finanziell ist das Zentrum nicht gut ausgestattet, doch Querimi hofft,

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