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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2009
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Lehren aus einer Wahl, die für viele keine war
Der Inhalt:

»Ich bin ein bunter Hund«

von Claudia Mende vom 09.10.2009
Die Romanautorin und frühere Boulevard-Journalistin Ulli Olvedi versteht sich heute als kritische Buddhistin

Kein störender Laut dringt in Ulli Olvedis Wohnzimmer. Drinnen strahlen die buddhistischen Statuen auf der Fensterbank und das tibetische Rollbild an der Wand Ruhe aus. Die Autorin spiritueller Romane liebt ihre Ruhe am Ammersee südlich von München. Als ihre beiden Kinder erwachsen waren, ist sie in einen 230-Seelen-Ort auf die Westseite des Ammersees gezogen. »Diese Seite ist ein Refugium für Künstler«, erzählt sie. Hier ist Bayern nicht ganz so bayerisch. Es gibt genügend Luft zum Leben für eine Frau, die sich selbst als »bunten Hund« bezeichnet. Als jemand, der auch in buddhistischen Kreisen ein kritischer Geist bleibt.

Fünf Romane, eine Reihe von Sachbüchern und viele Übersetzungen hat sie bisher verfasst. Alle drehen sich um den tibetischen Buddhismus. Das nächste Werk, ein weiterer Roman, soll 2010 erscheinen. Schreiben und Geschichtenerzählen sind ihr Lebenselixier. »Die Geschichten kommen zu mir«, betont sie, »ich denke sie mir nicht aus.« Sie schreibt jeden Tag, dazwischen macht sie Qi-Gong und ihre Meditationsübungen. Ulli Olvedi war Journalistin, »Kulturtante« bei der Boulevardzeitung TZ in München, später arbeitete sie für Radio Bremen und Zeitschriften wie Esotera. Psychologie und Philosophie haben sie zeit ihres Lebens beschäftigt. Über ihre Kindheit mag sie nicht viel berichten: »Ich komme aus einer katholischen Familie, die alle negativen Punkte des Christentums vereinigt hat«, sagt sie. »Du musst, du musst, du sollst«, das verbinde sie mit ihrer christlichen Erziehung. Der Buddhismus kam für sie ganz anders daher. Statt »du sollst nicht« heißt es in der Lehre des Buddha: »Ich enthalte mich.« Statt vorgegebener Dogmen sei eigenes Erforschen gefragt.

Zu ihren Schlüsselsätzen zählt sie ein Wort, das dem Buddha zugeschrieben wird: »Glaubt nicht einfach so. Glaubt nicht den heiligen Büchern, weil sie heilig sind, glaubt auch nicht den verehrten Lehrern, weil sie verehrt sind, glaubt auch mir nicht, sondern prüft selber.« Diese Aufforderung hat sie angesprochen. Dazu kam die Begegnung mit dem tibetischen Buddhismus, erst in Büchern und dann in den Klöstern, vor allem denen im nepalesischen Exil. »Zum Glück hatte ich Lehrer, die den Westen kannten«, betont sie, die ihre Lehre gut vermitteln und Missverständnisse ausräumen konnten. Einer ihrer Lehrer sagte einmal, Buddhismus bestehe darin, zu sitzen und still zu sein, anzune

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