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»Die Hoffnung steht wieder auf«

von Christian Führer vom 09.10.2009
Am 9. Oktober 1989 fand die entscheidende Montagsdemonstration statt. Haben wir wirklich verstanden, was die Revolution von damals für heute bedeutet?

Von entscheidender Bedeutung für den einzelnen Menschen wie für ein ganzes Volk ist das Gedächtnis. Nichts macht den Menschen und seine Persönlichkeit mehr zunichte, als wenn er das Gedächtnis verliert. Nichts macht ein Volk substanzloser und manipulierbarer, als wenn es das Gedächtnis vernachlässigt, missachtet, verdrängt oder schließlich ganz verliert. Da wird die Gegenwart zum Zufall und die Zukunft zum Ernstfall. Darum richten wir von Jahr zu Jahr intensiver unser Gedächtnis auf die Friedliche Revolution mit dem Kerndatum 9. Oktober 1989. - Dem Tag der Entscheidung, ob die Revolution unblutig, also friedlich bleibt. An diesem Tag war die Frucht der seit 1982 ununterbrochenen Friedensgebete herangereift. Haben wir 20 Jahre danach überhaupt schon verstanden, was in diesem Herbst 1989 geschehen ist? Durch uns und mit uns und an uns? Der Frage sollten wir uns stellen.

Wir haben in unserer politischen Unheilsgeschichte mehr als genug Daten grausamer Schuld und furchtbaren Versagens, die nicht verschleiert und vergessen werden dürfen. Um wie viel mehr sollten wir auf dieses einmalige Geschehen der Selbstbefreiung aus einer hochgerüsteten Weltanschauungsdiktatur, auf diese Revolution ohne Blutvergießen blicken, von der so viel positive Kraft ausgehen und die uns zukunftsfähig machen kann.

Dass die in zwei atheistischen Weltanschauungsdiktaturen aufgewachsenen Menschen die Bergpredigt von Jesus in zwei Worte gefasst haben: »Keine Gewalt!«, und dass sie das konsequent auf der Straße verwirklicht haben - das ist ein beispielloser Vorgang in unserer Geschichte! Eine Revolution, die aus der Kirche kam. Denn »Kirche«, wie Heinrich Albertz sagte, »war endlich einmal bei ihrem Herrn und damit auf der richtigen Seite: bei den Unterdrückten und nicht bei den Unterdrückern, beim Volk und nicht bei den Mächtigen.« Wir haben die Macht der Gewaltlosigkeit erfahren und die wunderbare Bestätigung, dass alles wahr ist, was geschrieben steht: »Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.« (Jes. 7,9) Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch ?meinen Geist? geschehen.« (Sach. 4,6)»?Meine? Kraft ist in den Schwachen mächtig.« (2. Kor. 12,9)

Kirchen als Häuser der Hoffnung, einladend und offen für alle, als Refugium und Zellen des Aufbruchs, nicht als Dienstleistungsbetriebe zur Befriedigung religiöser Bedürfnisse. Die Bergpredigt Jesu als tägliches Brot im politischen Alltag hoffnungsloser Situationen, nicht als Jenseitsethi

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