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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2015
Der große Auszug
Kirchenaustritte: Was jetzt auf dem Spiel steht
Der Inhalt:

»Sie behandeln Frauen wie Tiere«

von Ruth Reif vom 25.09.2015
Samar Yazbek wurde in Syrien verfolgt, floh, reiste heimlich wieder zurück und schrieb ein Buch über ihre Heimat. Ein Gespräch mit der Schriftstellerin

Publik-Forum: Frau Yazbek, wie erklären Sie sich den ungeheuren Ausbruch an Gewalt in Syrien, der sich nach 2013, also nach Ihrem letzten heimlichen Aufenthalt, noch gesteigert hat?

Samar Yazbek: Das liegt daran, dass die Welt den täglichen Gewalttaten des Assad-Regimes tatenlos zusieht. Nach wie vor sind die syrischen Städte den Bombardierungen mit Giftgas aus Assads Flugzeugen ausgesetzt. Hinzu kommen extremistische Kämpfer, die das Land in ein blutiges Schlachtfeld verwandelten. Gewalt bringt immer neue Gewalt hervor.

»Die gestohlene Revolution« lautet der Titel Ihres Buches. Wie war dieser Diebstahl möglich? Hatte die Revolution zu wenig Rückhalt in der Bevölkerung?

Yazbek: Zunächst verliefen die Proteste gegen das Assad-Regime friedlich. Dennoch wurden die Protestierenden vom Geheimdienst festgenommen, gefoltert und sogar getötet. Das Regime ging mit unvorstellbar brutaler Gewalt vor. Um sich zu verteidigen, bewaffneten sich die Protestierenden und schufen die Freie Syrische Armee. Die internationale Gemeinschaft ignorierte das Geschehen. Stattdessen strömten durch die offenen Grenzen zur Türkei die Dschihadisten ins Land. Von diesem Moment an schlug die Revolu tion um. Den dschihadistischen Gruppen stehen enorme finanzielle Mittel zur Verfügung. Die Vorherrschaft der Islamisten und die Bombardierungen durch das Regime lassen die Hoffnung schrumpfen, die Revolution könne ihre Ziele zurückerobern.

Was bedeutet der Krieg konkret für die Lebensperspektiven der Frauen?

Yazbek: Besonders gefährdet sind Frauen in den Gebieten, die unter der Kontrolle der Terrormiliz Islamischer Staat stehen. Dort werden ihnen alle Rechte verwehrt. Sie leben wie Gefangene. In Gebieten, die von Milizen wie der Nusra-Front oder der Ahrar al-Scham kontrolliert werden, ist die Lage etwas weniger schrecklich. Aber auch hier werden den Frauen alle sozialen Kontakte verwehrt. Sie sind gezwungen, den Schleier zu tragen und sich der Scharia zu unterwerfen. Die Milizen behandeln die Frauen, als wären sie Tiere der untersten Klasse. In den Gebieten, die dem Assad-Regime unterstehen, gibt es mehr Freiraum für die Frauen. Doch aufgrund der extremen Armut,

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