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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2015
Der große Auszug
Kirchenaustritte: Was jetzt auf dem Spiel steht
Der Inhalt:

Grüner Strom auf Vorrat

von Bernward Janzing vom 25.09.2015
Die Energiewende gelingt nur, wenn Wind- und Sonnenstrom bei Überfluss gespeichert werden kann. Doch welche Speicher sind die besten? Und welche lassen sich auch realisieren?

Manchmal muss man einfach tun, was angeblich nicht geht. Friedhelm Widmann war es leid, dass ihm immer wieder Leute erzählten, Solarstrom sei keine ernsthafte Option – zu teuer, nur durch Förderung rentabel und auch nicht speicherbar. Also trat der Ingenieur den praktischen Gegenbeweis an und baute ein Firmengebäude, das komplett mit erneuerbaren Energien versorgt wird. Dabei kam er ohne Fördergelder aus und sogar ohne Anschluss ans Stromnetz. Energiefabrik nennt der Geschäftsführer der Firma Widmann Energietechnik aus Neuenstadt am Kocher in Württemberg sein Projekt.

Um die Sonne zu allen Tageszeiten optimal nutzen zu können, bestückte er die Fassaden rundum mit Fotovoltaikmodulen und stellte auf dem Flachdach nach Osten, Süden und Westen Module auf. Überschüsse an Solarstrom werden für trübe Tage in Batterien zwischengespeichert.

Widmann ist damit der Zeit voraus. Denn aus Sicht vieler Stromexperten werden Speicher erst in etlichen Jahren wirklich wichtig werden. Das ergibt sich aus den aktuellen Verhältnissen am Strommarkt: Die erneuerbaren Energien werden in diesem Jahr in Deutschland rund dreißig Prozent des Stromverbrauchs decken. Das ist zwar eine beachtliche Menge, doch heißt das auch, dass siebzig Prozent der Energie noch immer aus konventionellen Brennstoffen stammen. Und die können immer Strom liefern; auch wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint.

»Das Speicherzeitalter beginnt nach 2020«, sagt Uwe Leprich, Leiter des Instituts für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) in Saarbrücken. Bis zu einem Anteil der erneuerbaren Energien von vierzig Prozent am Strommix werden die Speicher »nur zu einem geringen Umfang zur Einspeicherung von Erneuerbare-Energien-Strom benötigt«, heißt es in einer Untersuchung der Energietechnischen Gesellschaft. Einstweilen dienten üppige Speicher vor allem den Kohlekraftwerken, die so auch bei starkem Wind und viel Sonne weiter laufen könnten. Ein Grund dafür, weshalb die etablierte Stromwirtschaft aktuell so laut nach Speichern ruft.

Energieexperten hingegen setzen auf einen flexiblen Einsatz der bestehenden Kraftwerke. Dabei werden fossile Kraftwerke immer dann hochgefahren, wenn wenig erneuerbare Energien zur Verfügung stehen. Diese könnten die benötigte Flexibilität im Stromsystem in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren

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