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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2014
Da geht noch was!
Träume leben im Alter
Der Inhalt:

Buch des Monats: Tief beschädigt

von Norbert Copray vom 26.09.2014
Wie Loyalität und Abhängigkeit den sexuellen Missbrauch in der Kirche begünstigen

Bernd Deininger
Wie die Kirche ihre Macht missbraucht
Ein Theologe und Therapeut berichtet. S. Fischer. 192 Seiten. 12,99 €

Ist der Skandal sexueller Gewalt in den Kirchen inzwischen bewältigt? Ist einer Wiederholung der Riegel vorgeschoben? Wirken die beschlossenen präventiven Maßnahmen? Dem neuen Buch »Wie die Kirche ihre Macht missbraucht« von Bernd Deininger zufolge ist die Antwort im Blick vor allem auf die katholische Kirche auf alle drei Fragen: Nein.

Der Mediziner, Neurologe, Psychotherapeut, Philosoph und Theologe Deininger, der seit 2009 Chefarzt einer Nürnberger Klinik ist, bringt mit seinen vielfältigen Professionen die Kompetenz mit, die Gesamtsituation zu analysieren und zu beurteilen. Zugleich kann er als Mitarbeiter eines christlichen Krankenhauses und als Berater und Gutachter vieler kirchlicher Einrichtungen den Kirchen und dem christlichen Glauben sehr viel abgewinnen. Er schätzt den Beitrag des Christentums zu einer Kultur der Liebe hoch ein und fühlt sich in der katholischen Kirche beheimatet.

Sein Anliegen ist es, dass die Kirchen erfolgreich gerade auch gegen sexuelle Gewalt und die Entwürdigung von Menschen eintreten. Er hat sich in mehreren Tausend Therapiesitzungen mit dem Abgrund des Missbrauchs in den Kirchen befasst. Umso schmerzlicher ist für ihn der eklatante Widerspruch zwischen den hohen Werten, die die Kirchen verkörpern wollen, und den sexuellen Missbräuchen durch kirchliche Mitarbeiter. Er sieht die Gründe dafür im Blick auf seine eigene Kirche in einer von Menschen gemachten Dynamik und Struktur sowie eines Teils ihrer krankmachenden Lehren.

Ohne seine anonymisierten Fälle aus der Praxis wären manchen Lesern seine Analysen vielleicht zu wenig anschaulich. Deininger kann vor allem verdeutlichen, wie tief die seelische Beschädigung, ja sogar Zerstörung durch die sexuelle Gewalt geht. Der Autor wendet sich vor allem den Opfern zu, hat aber auch die Täter im Blick. Er zeigt, wie diese vorher oft selbst Opfer waren oder noch sind.

Deiningers Archäologie des Missbrauchs führt zu den »Mechanismen der Macht« in der katholischen Kirche, die sich aus Loyalität und Abhängigkeit, aus Gehorsam und Selbstüberhöhung innerhalb einer hierarchischen Struktur zusammensetzen. Es gibt kaum eine Möglichkeit für Laien, dem Treiben eines Bischofs Einhalt zu

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