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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2014
Da geht noch was!
Träume leben im Alter
Der Inhalt:

Schwünge oder Krakel

von Nina Braun vom 26.09.2014
An immer mehr Grundschulen wird nur noch Druckschrift gelehrt. Kritiker befürchten, dass die Schüler dadurch schlechter schreiben. Was geht verloren ohne Häkchen, Schleifen und Bögen?

Die ganzen Sommerferien über musste Leon Schreibschrift üben. Vier Jahre lang hatte der Zehnjährige aus Düsseldorf an seiner Grundschule die Grundschrift schreiben gelernt, eine Druckschrift. Vom Gymnasium, auf das er seit Schuljahresbeginn geht, hatte er noch als Viertklässler die erste Hausaufgabe bekommen: Während der Ferien sollte er die lateinische Schreibschrift üben. Diese Schrift sei an dem Gymnasium üblich, sagten seine neuen Lehrer. Wer sie nicht könne, riskiere schlechte Noten.

Der Fall macht die neue Konfliktlinie deutlich, die zwischen Pädagogen entstanden ist. Auf der einen Seite stehen die Grundschulen, die nur noch Druckschrift oder die sogenannte Grundschrift lehren. Letztere besteht aus zu verbindenden Druckbuchstaben. Auf der anderen Seite Grund- und weiterführende Schulen, deren Lehrer es für unverzichtbar halten, dass ihre Schüler die Schreibschrift beherrschen.

Heute lernen nahezu alle Grundschüler in der ersten Klasse Druckschrift und erst in der zweiten Klasse eine Schreibschrift. Je nach Schule und Bundesland ist das meist die vereinfachte Ausgangsschrift oder die in der DDR entwickelte Schulausgangsschrift. Die in den 1950er-Jahren eingeführte lateinische Schreibschrift wird nur noch selten gelehrt.

Der Grundschulverband hat vor einigen Jahren die neue Grundschrift entwickelt. Bei dieser Schrift müssten die Schüler keine neuen Buchstaben lernen, sondern nur, nach und nach Buchstaben miteinander zu verbinden. Das sei insgesamt einfacher, argumentiert der Grundschulverband, und erlaube den Schülern mehr Freiheit.

Die Schreibschrift bereitet in der Tat vielen Schülern Schwierigkeiten. Nach Schätzungen des Lehrerverbands VBE Baden-Württemberg haben am Ende der vierten Klasse rund ein Drittel der Jungen und rund zehn Prozent der Mädchen Probleme mit dem Schreiben. Statt der im Unterricht akribisch geübten Schwünge fabrizieren diese Kinder Gekrakel.

Druckschrift für die Adresse

Kritiker jedoch befürchten, dass mit der Abschaffung der seit Generationen bewährten Schreibschrift zu viel verloren gehen könnte. Ursula Bredel, Professorin am Institut für deutsche Sprache und Literatur an der Uni Hildesheim, gehört zu diesen Skeptikern: Beim Handschreib-Erwerb bildeten sich Bewegungsab

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