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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2014
Da geht noch was!
Träume leben im Alter
Der Inhalt:

Die unterschätzte Macht

von Winfried Nachtwei vom 26.09.2014
Die Vereinten Nationen versagten in Ruanda und Srebrenica kläglich. In anderen Ländern haben sie dagegen Frieden erst möglich gemacht. Plädoyer für die Stärkung eines fast vergessenen Instruments

Der Ort, um den geht, ist Liberia. Wir schreiben das Jahr 2003. Nach insgesamt vierzehn Jahren Bürgerkrieg herrscht Frieden. Der Krieg hat 150 000 Menschen das Leben gekostet, mehr als 800 000 sind geflohen. Natürlich, das Land hat bis heute mit Korruption zu kämpfen. Auf der Liste des Heidelberger Konfliktbarometers 2013 taucht Liberia aber nicht mehr auf, auch nicht unter den 97 Gewaltkonflikten in der Südsahara.

Den Frieden gab es dank der Vereinten Nationen. Die hatten ihn gemeinsam mit der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft hergestellt. Heute wird gerne nach Uno-Missionen gerufen. Gleichzeitig herrscht aber auch Skepsis über die Möglichkeiten der Vereinten Nationen. Bekannt sind die gescheiterten Missionen: das Versagen der UN in Ruanda und Srebrenica, wo Völkermord nicht verhindert werden konnte. Ihre Blauhelm-Missionen finden im Unterschied zu Nato- und EU-Missionen kaum Beachtung. Über friedenspolitische Großveranstaltungen wie die Zehnjahresfeier des Zentrums Internationale Friedenseinsätze 2012 und die Tage des Peacekeepers 2013 und 2014, wo erstmalig in der deutschen Geschichte jeweils Hunderte Teilnehmer an Friedensmissionen zusammenkamen, wurde in den Medien nicht berichtet. Schnell ist die Rede vom Versagen der UN gegenüber den heutigen Kriegsgräueln. Solche Meldungen überschatten die vielen Einsätze, die oft hilfreich und unverzichtbar waren, um bewaffnete Konflikte einzudämmen, einen wackligen Friedensschluss zu stabilisieren. Eine Welt ohne die UN wäre noch viel unfriedlicher und chaotischer.

»Nie wieder Auschwitz«

Zwischen 1990 und 2005 wurden so viele innerstaatliche bewaffnete Konflikte durch Verhandlungen und mithilfe der UN zum Stillstand gebracht wie in 200 Jahren zuvor nicht! Eine große Leistung. Auch Deutschland sollte das in diesen Zeiten der entfesselten Kriege nicht vergessen. Am 18. September 1973 wurden die beiden deutschen Staaten in die Vereinten Nationen aufgenommen. Der damalige Bundeskanzler Willy Brandt sagte vor der Generalversammlung: »Die Fähigkeit der Menschen zur Vernunft hat die Vereinten Nationen möglich gemacht. Der Hang der Menschen zur Unvernunft macht sie notwendig.«

Die Vereinten Nationen sind keine Weltregierung. Sie sind nur so stark,

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