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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2014
Da geht noch was!
Träume leben im Alter
Der Inhalt:

Den Islam neu denken

von Claudia Mende vom 26.09.2014
Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Tradition hat bei den Muslimen längst begonnen. Ein Kongress zeigt, wie die islamische Theologie in Europa zu neuer Blüte findet. Das könnte am Ende eine Revolution bedeuten

In Syrien und im Irak wütet der Islamische Staat (IS). In Deutschland macht eine selbsternannte Scharia-Polizei Furore, und Salafisten werben junge Männer für den Krieg gegen die Ungläubigen an. Aber nicht nur wehren sich zunehmend islamische Gelehrte aus allen Teilen der islamischen Welt gegen diesen Missbrauch ihrer Religion. Es gibt längst eine innerislamische Debatte über ein menschliches, modernes Verständnis des Glaubens für die Welt von heute. Die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Tradition ist in vollem Gange. Die aktuellen Ereignisse werden langfristig große Auswirkungen auf den Umgang von Muslimen mit den Grundlagen ihres Glaubens haben.

Seit der Einführung des neuen Fachs Islamische Theologie an deutschen Hochschulen mischen sich auch islamische Theologinnen und Theologen hierzulande zunehmend in die Debatte ein. An den Universitäten Münster und Osnabrück, Tübingen, Frankfurt und Erlangen-Nürnberg wurde nach einer Empfehlung des Wissenschaftsrats im Jahr 2010 Islamische Theologie eingeführt. Die neuen Fakultäten sollen Religionslehrer und Imame ausbilden, analog zur katholischen und evangelischen Theologie. Mit dem internationalen Kongress »Horizonte islamischer Theologie« hat das Frankfurter Institut für Studien der Kultur und Religion des Islams an der Goethe-Universität in diesem September eine erste Zwischenbilanz seiner Arbeit präsentiert. Man wollte »das Spektrum, die Breite und die Relevanz einer islamischen Theologie als Wissenschaft dokumentieren«, sagte Bekim Agai, geschäftsführender Direktor des Instituts. Für Muslime sei das ein wichtiger Schritt zur Integration in die deutsche Gesellschaft. In Zukunft werde ein »Sprechen über Muslime durch ein selbstverständliches Sprechen von Muslimen auf allen gesellschaftlichen Ebenen abgelöst«, betonte Agai.

Im Nahen Osten erstickt die Debatte

175 Wissenschaftler aus Europa, den USA, der arabischen Welt, der Türkei und aus Südafrika stritten auf dem Kongress über neue Wege der Koranauslegung, über islamische Geschichte, politische Theologie und feministische Ansätze, aber auch über Fragen der Bioethik und Reli gionspädagogik. Ein gutes Drittel der etwa 400 Teilnehmenden war weiblich. Viele der Frauen trugen Kopftuch, viele von ihnen waren junge

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