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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2014
Da geht noch was!
Träume leben im Alter
Der Inhalt:

Augenzeuge des Unrechts

von Helmut Lorscheid vom 26.09.2014
Unerschrocken und unermüdlich: Siegfried Pater kämpft sein Leben lang gegen Unterdrückung auf der ganzen Welt – und gegen die Arroganz deutscher Beamter

Die Entscheidung fiel ihm schwer: Als Siegfried Pater erfuhr, er solle das Bundesverdienstkreuz erhalten, war er zunächst ratlos. Dabei wollten Politiker und Weggefährten »dem Siegfried etwas Gutes tun«, erzählt er. In der Begründung ist die Rede vom »Augenzeugen der Unterdrückung« und davon, dass er zu den Initiatoren der Kampagne »Fußball ja, Folter nein« anlässlich der Fußball-WM 1978 in Argentinien gehörte. Das sind eigentlich gute Gründe für die Ehrung. Doch Siegfried Pater erinnerte sich an diejenigen, die das Bundesverdienstkreuz (mit Stern und Schulterband) bereits erhalten hatten.

Darunter sind auch einige der damals für die deutsche Außenpolitik Verantwortlichen. Sie hatten es vorgezogen, dem damaligen argentinischen Militärregime Atomkraftwerke, Panzer und Gewehre zu liefern – statt sich für die Befreiung deutscher Folteropfer wie etwa Elisabeth Käsemann einzusetzen. »Lehn es ab, Siegfried«, riet ihm deshalb sein alter Weggefährte Werner Rätz, heute aktiv bei attac. Siegfried Pater entschloss sich letztlich dennoch, die Ehrung anzunehmen. Er sieht es pragmatisch: »Es hilft mir, ich komme jetzt mit meinen Themen einfacher in konservative Kreise.«

»Augenzeuge der Unterdrückung« – das war und ist er, seit er 1967 als 22-jähriger Vermessungstechniker »Entwicklungshilfe« in Brasilien leistete, statt zur Bundeswehr zu gehen. Dort erlebte er einen Kulturschock. Er begegnete dem Kapitalismus in Reinform, sah sich konfrontiert mit erbarmungsloser Ausbeutung, die auch vor Mord nicht zurückschreckt. Diese Erfahrung ließ ihn nicht mehr los. Seither streitet er gegen Unrecht, als Journalist, Filmemacher und Buchautor.

Diesen Kämpfer sieht man ihm zunächst nicht an, wenn er im Garten seines kleinen Hauses im beschaulichen Bonn-Poppelsdorf sitzt. Frau Gabriele hat gekocht, gegessen wird im Garten neben dem »Büro Siegfried Pater«. Hier sind viele seiner Artikel entstanden – und oft als Erstes in Publik-Forum erschienen. Rund vierzig Bücher hat Pater bis heute verfasst. Siegfried Pater focht gegen wahnwitzige Industrieprojekte ebenso wie gegen skrupellosen Diamanthandel. Er recherchierte zum Organ- und Bluthandel, über schmutzige Diamanten, aber schrieb auch Porträts über engagierte Menschen wie den brasilianischen Ökologen José Lutzenberger.

Oft wurden seine Beiträge zur publizistischen Gr

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