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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

Milch und Honig – in Köln

von Miguel A. Zamorano vom 27.09.2013
Neue jüdische Kulturzentren wachsen ökumenisch von unten

»Dialog auf politischer Ebene ist toll«, sagt Hana Fischer. Die 32-Jährige mit schwarzen lockigen Haaren und dunklen Augen hält kurz inne und fügt hinzu: »Doch es betrifft uns Bürger nicht, wenn Politiker sich untereinander die Hände schütteln.« Stets werde das Gespräch zwischen Juden und Nichtjuden von Politikern und hohen Geistlichen geführt – doch kaum auf der Ebene der Bürger. Vielfach herrschten Berührungsängste. Das will die junge Jüdin ändern. »Ich möchte die Lage des Judentums in Deutschland etwas auflockern.«

Deshalb startete die Kölnerin in ihrer Stadt mit Juden und Nichtjuden soeben das Kulturzentrum Milch und Honig. Auf dem Programm stehen Lesungen, Vorträge zum Judentum, Konzerte, Feiern von religiösen Festtagen, Lesungen für Kinder und Kochkurse für Erwachsene. All das dient dem Ziel, dass viele mit dem Judentum in Kontakt kommen.

Die erste Veranstaltung »Judentum für Dummies« findet in der evangelischen Melanchton-Akademie statt. Eine Woche später gibt es in der Kölner Synagogengemeinde in der Roonstraße ein jüdisch-naturphilosophisches Seminar. Die Aktivitäten von Milch und Honig finden an beiden Orten statt. In Deutschland haben sich bereits ähnliche Initiativen etabliert. So gibt es in Frankfurt das Projekt »Jewish Experience«. In Köln bietet die Gesellschaft
für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
akademische Vorträge an. »Das Judentum in Deutschland auflockern« – was selbst wie eine Politikerphrase klingt, ist ein hehres Ziel.

Wenn Hana Fischer über ihre Motive spricht, erzählt sie zunächst von sich. In ihrer Familie sei »das Judentum nicht so präsent« gewesen, so die gebürtige Belgraderin, die seit 13 Jahren in Deutschland lebt. Die Volkswirtin setzte sich selbst mit ihrer Religion stärker auseinander, als 2008 ihre älteste Tochter in den Kindergarten ging – und zwar in den jüdischen. »Purer Zufall«, sagt Fischer. »Alle anderen Kitas waren schon besetzt.« Doch dort entdeckt sie ihre Religion neu – ausgerechnet in Deutschland. Dann berichtet Fischer vom Schabbat am Freitagabend. Sie und ihr aus Kroatien stammender Mann wohnen mit den drei Kindern in einem typischen Kölner Veedel. Wenn sie am Vorabend des Schabbat am Tisch zusammenkommen, werden Kerzen angezündet und Gebete gesprochen. »Manchmal sind auch die Kinder der Nachbarn da«, erzählt Fischer

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