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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2013
Die Ware Frau
Soll man Prostitution verbieten?
Der Inhalt:

Das ganze Jahr ist Erntedank

von Sara Mierzwa vom 27.09.2013
Klaus Lorch lebt als Selbstversorger im Westerwald. Seit mehr als dreißig Jahren folgt er dem Rhythmus der Natur

Auf dem Teelöffel liegt ein Stück honigdurchtränktes Wachs. Genussvoll schiebt Klaus Lorch den Löffel in den Mund, nimmt einen Schluck Tee und lutscht die Waben aus. Den Wachsrest spuckt er in ein Glasschälchen auf dem Tisch. Die gesammelten Stücke erhitzt er später, kocht sie aus und gießt daraus Mittelwände für seine Bienenstöcke – die Grundlage für neue Honigwaben. »Mein geschlossener Kreislauf«, sagt der 65-Jährige zufrieden.

Als Klaus Lorch 1982 mit seiner Familie aus der Landeshauptstadt Mainz auf einen Hof in den Westerwald zog, hatte er kaum Ahnung von Landwirtschaft. »Also habe ich ein grundlegendes Buch über biologischen Gemüseanbau gelesen und dazu gleich einen VHS-Kurs in Mainz angeboten. So war ich motiviert, alles gründlich zu lernen«, erzählt der ehemalige Lehrer. Das Ankommen im Dorf Steinen mit seinen 250 Einwohnern war schwieriger als gedacht: Viele der jungen Leute dort orientierten sich am städtischen Lebensstil. Familie Lorch mit zwei kleinen Kindern ging dagegen den umgekehrten Weg zurück zur Natur. Das stieß auf Unverständnis, Ablehnung und Feindseligkeit. Als der Familienvater Faltblätter mit seinen Plänen über ökologische Landwirtschaft verteilte, drohte ihm ein Dorfbewohner Schläge an. Doch er ließ sich davon nicht beirren; er begegnete den Dorfbewohnern weiterhin offen und zog mit seiner Familie an Weihnachten musizierend und singend durchs Dorf. Zu dem zu stehen, was einem wichtig ist, sei das Wichtigste im Leben, findet Klaus Lorch.

Den Lehrerberuf gab er auf

Mit seinem Beruf als Erdkunde- und Sportlehrer sowie mit dem Schulsystem ist er früh, noch bevor er eine Familie gegründet hat, unzufrieden. »Ich habe dabei zu wenig über das Leben gelernt«, sagt er. Er sucht nach Alternativen und stößt auf die Tvindschule in Dänemark, mit der er Anfang der 1980er-Jahre nach Nicaragua reist, in Erwartung, ein Land voller Elend vorzufinden. Stattdessen begegnet er Menschen, die fröhlicher sind als die in Deutschland. Er verbringt einige Zeit bei einheimischen Fischern und Bauern. In Nicaragua wird er »vom Pessimisten zum Optimisten«, beschreibt der 65-Jährige diesen Wendepunkt in seinem Leben.

Zurück in Deutschland, entscheidet er sich, ein möglichst einfaches und autarkes Leben zu führen, das weder ihn noch die Umwelt oder andere Menschen unnötig belastet. Die Familie, die er inzwisch

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