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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2012
Wer rettet den Euro vor seinen Rettern?
Europa am Scheideweg
Der Inhalt:

Wider den Materialismus

von Norbert Copray vom 21.09.2012
Plädoyer für die Versöhnung von Wissenschaft und Spiritualität

Rupert Sheldrake Der Wissenschaftswahn Warum der Materialismus ausgedient hat. O. W. Barth. 492 Seiten. 24,99 €

Es gibt einen weltumspannenden Glauben, der die Vormachtstellung von Naturwissenschaft, Technologie und Geld begünstigt und erhält. Das ist der materialistische Glaube mit seinem naturwissenschaftlichen Credo. Er wird meist vergessen, wenn über Weltanschauungen geredet wird, weil er so allgegenwärtig ist. Und doch bestimmt dieser Glaube das Denken der meisten Menschen, auch derer, die sich für religiös und spirituell halten.

Rupert Sheldrake, ein Pionier des ganzheitlichen Weltbildes, in dem sich materialistische und spirituelle Sichtweisen ergänzen, stemmt sich mit seinem neuen Buch »Der Wissenschaftswahn« gegen diese einseitig materialistische Überzeugung. Der forschende Biologe und Biochemiker fand vor allem durch die Beschäftigung mit der indischen Philosophie im Ashram des Benediktinerpaters Bede Griffiths zu einer erweiterten Wahrnehmung der Welt.

Seiner Auffassung nach fußt die heutige Naturwissenschaft »auf der Annahme, Realität sei grundsätzlich materieller oder physikalischer Natur«. Es gebe materielle Wirklichkeit und sonst nichts. »Solche Überzeugungen sind von großer Macht, aber nicht, weil die Wissenschaftler kritisch über sie nachdächten, sondern weil sie es eben nicht tun.« Damit hingen die Naturwissenschaften einem Glauben des 19. Jahrhunderts an: dem materialistischen Dogma. Sheldrake wünscht sich, sie würden »weniger dogmatisch und dafür wissenschaftlicher« denken und arbeiten. Denn dann würden sie mehr Neues entdecken können.

Sheldrakes Buch war letztes Jahr in England in den Bestsellerlisten und wurde heiß diskutiert. Sheldrakes Thesen sind oft spekulativ. Man denke an seine These von den »morphologischen Feldern«, die jenseits steriler Kausallogik Wirksamkeit auch über Entfernungen von Raum und Zeit sicherstellten. Mittlerweile scheint diese These auch anderen Wissenschaftlern ein hilfreiches Erklärungsmodell zu sein.

Anders als viele Esoteriker bezeugt Sheldrake großen Respekt vor der Wissenschaft. Hier müssen Hypothesen in Experimenten überprüft und die Ergebnisse nochmals geprüft werden. So geht auch Sheldrake vor und liefert in seinem Buch einige Beispiele. Vor allem kritisiert er etliche Ergebnisse der konventionellen Wissenschaft, die sich

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