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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2012
Wer rettet den Euro vor seinen Rettern?
Europa am Scheideweg
Der Inhalt:

Schießen werden Roboter, sterben werden Menschen

von Hermannus Pfeiffer vom 21.09.2012
Die Bundeswehr plant den Ankauf von Kampf-Drohnen. Mit den ferngesteuerten Waffen sinkt die Hemmschwelle für neue Kriege

Die Bundeswehr plant den Ankauf bewaffneter US-Drohnen. Damit hat der Krieg der Zukunft auch in Deutschland begonnen. Er findet am Bildschirm statt. Die Angreifer sitzen vor Computerbildschirmen in ihren geschützten Hauptquartieren und betrachten die Bilder, die eine unbemannte Drohne aus Hunderten oder Tausenden Kilometer Entfernung sendet. Ist das Ziel erfasst, gibt der Soldat das Kommando: »Fire!« Schießen wird ein Roboter, sterben werden echte Menschen.

Mit dieser neuen Kriegstechnik bilde sich »eine Playstation-Mentalität des Tötens heraus«, befürchtet Paul Russmann von der Ökumenischen Aktion Ohne Rüstung Leben. Doch für Bundesverteidigungsminister de Maizière sind Drohnen nur Flugkörper ohne Piloten an Bord, sie »dienen dem Schutz unserer Soldaten«. Gar so harmlos sind die ferngesteuerten Flugroboter jedoch nicht. Die fehlende Gefahr für die eigenen Leute könnte Regierungen und Generäle schnell zu einem leichtfertigen Einsatz der Killerdrohnen verleiten – die Hemmschwelle für einen Kriegseinsatz sinkt. Im Unterschied zu klassischen Raketen und Torpedos, mit denen de Maizière Drohnen vergleicht, sind diese wiederholt einsetzbar. Sie können jederzeit zum Ausgangspunkt zurückfliegen. Und im Unterschied zum Flugzeug kann die von der Bundeswehr eingesetzte Aufklärungsdrohne Heron1 24 Stunden ununterbrochen in der Luft bleiben.

Im Ersten Weltkrieg dienten mit Kameras ausgestattete Ballons den Militärs dazu, sich ein Lagebild von der feindlichen Front zu machen. Seit den 1970er-Jahren setzt die israelische Armee Unmanned Aerial Vehicles (UAV) ein, um feindliche Raketenstellungen auszuspionieren. Auch private Militärfirmen, Polizei und die boomende Branche der zivilen Sicherheitsdienste nutzen inzwischen Drohnen. Seit den 1990er-Jahren setzt auch die Bundeswehr Aufklärungsdrohnen ein.

Aus den Aufklärern wurden Tötungsmaschinen – und Staatsgeheimnisse ersten Ranges. Kenner der Szene berichten, dass sie ungern ihr ganzes Wissen preisgeben, gefährden sie doch sonst ihre lukrativen Jobs bei militärischen Fachzeitschriften und in Instituten; Wissenschaftler, die sich mit Robotik befassen, fürchten um den zivilen Ruf ihres Forschungsfeldes, wenn sie über Militaria berichteten.

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