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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2012
Wer rettet den Euro vor seinen Rettern?
Europa am Scheideweg
Der Inhalt:

Hoffnung teilen

von Micha Heitkamp vom 21.09.2012
Nadeschda hilft den Opfern von Menschenhandel

In der ländlichen Region Ostwestfalen gibt es, gemessen an der Bevölkerungszahl, deutschlandweit die höchste Dichte an Bordellen und bordellartigen Einrichtungen. Deshalb sind Menschenhandel und Zwangsprostitution hier auch hochaktuelle Themen. Um den Opfern zu helfen, gründete die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen 1997 die Frauenberatungsstelle Nadeschda. Der Name kommt aus dem Russischen und bedeutet Hoffnung.

Vier Sozialpädagoginnen und eine Honorarkraft betreuen hier pro Jahr etwa vierzig bis sechzig Frauen. Der Kontakt entsteht oft durch die Polizei, nachdem die Frauen aus Bordellen befreit wurden. Die meisten stammen aus Osteuropa, in den letzten Jahren steigt die Anzahl der Opfer aus Westafrika stark an. Aber auch deutsche Frauen werden Opfer von Zwangsprostitution. Nadeschda betreut auch Frauen, die sich zunächst freiwillig entschieden haben, in der Prostitution zu arbeiten, dann aber gezwungen wurden, unter menschenunwürdigen Bedingungen und gegen geringe oder gar keine Entlohnung zu arbeiten.

In der Beratungsstelle werden die Frauen sowohl psychologisch als auch sozial betreut. Die Frauen erhalten muttersprachliche Beratungen, Notversorgung mit Lebensmitteln, Kleidung und Hygieneartikeln, Vermittlung zu Sprachkursen und bekommen Hilfe bei der Kontaktaufnahme zu Ärztinnen, Psychologinnen und Rechtsanwältinnen. Wenn sie Schutz brauchen, werden die Klientinnen dezentral untergebracht.

Ebenfalls zur Betreuung gehört die Begleitung der Opfer bei Menschenhandelsprozessen vor Gericht. Nadeschda vermittelt den Frauen Anwälte, sodass sie als Nebenklägerin auftreten können. Die Gerichtsverhandlungen sind für die Opfer oft eine große Belastung. Häufig erleiden sie eine erneute Traumatisierung, wenn sie mit detaillierten Darstellungen der Geschehnisse konfrontiert werden und den Tätern wieder begegnen. Deshalb hat sich eine Gruppe von Frauen gegründet, die ehrenamtlich als Zuschauerinnen an den Prozessen teilnehmen, um den Opfern so den Rücken zu stärken.

Die Arbeit der Frauenberatungsstelle kann durch den Kauf von Schokolade unterstützt werden. Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen verkauft Vollmilch- und Edelbitterschokolade unter dem Namen »Hoffnung ist teilbar«, die Einnahmen dienen der finanziellen Unterstützung von Nadeschda. Alle Rohsto

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