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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2011
Ingenieure des Lebens
Wohin führt die Synthetische Biologie?
Der Inhalt:

»Utopie in die Realität holen«

von Wolfgang Kessler vom 20.09.2011
Seit drei Jahren arbeitet die Akademie Solidarische Ökonomie an Alternativen zum Kapitalismus. Anfangs belächelt, legt sie nun Ergebnisse vor. Fragen an ihren Mitbegründer Bernd Winkelmann

Herr Winkelmann, konservative Publizisten wie Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, fragen kleinlaut, ob die Kapitalismuskritiker nicht doch recht haben. Das müsste doch Balsam auf die Seele jener Fachleute sein, die in der Akademie für Solidarische Ökonomie an Alternativen zum Kapitalismus arbeiten?

Bernd Winkelmann: Ja, das ist es in der Tat. Vor der Finanzkrise wurden Kapitalismuskritiker ausgelacht. Seit der Finanzkrise wird das System kritischer angeschaut, auch von Konservativen. Allerdings wird noch immer zu wenig über konkrete Alternativen diskutiert. Das wollen wir ändern.

Warum wollen Sie gleich den Kapitalismus überwinden, reichen Ihnen radikale Reformen nicht aus?

Winkelmann: Wir haben nichts gegen vernünftige Reformen wie die Einführung einer Finanztransaktionssteuer oder grüne Investitionsprogramme. Sie können die schlimmsten Auswirkungen der kapitalistischen Wirtschaftsweise mäßigen. Doch die tieferliegenden Ursachen der Fehlentwicklungen werden damit nicht überwunden. Diese liegen in den Prinzipien, Denkmustern und Mechanismen des Kapitalismus.

Welche Mechanismen des Kapitalismus sind Ihnen ein besonderer Dorn im Auge?

Winkelmann: Der Zwang zur Kapitalvermehrung als Zweck allen Wirtschaftens und die Tatsache, dass sich private Eigentümer einen großen Teil der Wertschöpfung aneignen. Diese Prinzipien führen zu einer zerstörerischen Konkurrenz zwischen Unternehmen, zu einem irrsinnigen Wachstumszwang. Viele Kosten dieses Systems werden der Natur aufgebürdet, dem Gemeinwesen und den Schwächeren. Dadurch verursacht der Kapitalismus massive soziale, ökologische und kulturelle Verwerfungen.

Bisher wird das von der Mehrheit der Menschen toleriert.

Winkelmann: Das Ganze ist nur haltbar durch Ideologien und Mythen wie dem Glauben, dass Konkurrenz und Eigennutz zum Wohlstand aller führten, dass der Reichtum weniger die Ärmeren mit nach oben ziehe oder dass dem Markt selbstheilende Kräfte innewohnten. Doch Letzteres hat die Finanzkrise ja widerlegt.

Welche grundlegenden Veränderungen streben Sie an?

Winkelmann: Wir wollen die Wirtschaft vom Kopf auf die Beine stellen: Nicht Profitmaximieru

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