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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2019
Höhenglück
Warum uns die Alpen so faszinieren
Der Inhalt:

KOLUMNE Von Fabian Vogt: Labersäcke

vom 06.09.2019

Ich kam zu spät zum Männerkreis, weil ich bis nachmittags auf einer Tagung in Süddeutschland gewesen war. Tja, und da saßen sie, meine »Jungs«, und starrten mich an. Als ich gerade anfangen wollte, mit den prominenten Referenten anzugeben, brachte mich Joachim mit einer Frage völlig aus dem Konzept: »Sag mal, wird sich in der Welt irgendwas ändern, nachdem diese Tagung stattgefunden hat?«

Ich stotterte: »Äh, wie meinst du das denn?«

»Na ja«, sagte Joachim, »es wird überall unfassbar viel geredet, aber kaum was gemacht. Tagungen, Kongresse, Foren, Sitzungen … Milliarden von Worten – und keine Taten. Selbst nach dem letzten Kirchentag dachte ich: Da haben jetzt Zehntausende von Menschen in Hunderten von Podiumsdiskussionen gehockt … und? Wird sich dadurch irgendwas ändern? Nein! Dann könnten wir es doch eigentlich auch lassen, oder?«

Bernhard, der gerne Kontra gibt, nahm mich in Schutz: »Ach komm, Joachim. Wie stellst du dir das denn vor? Sollen wir nach jeder Tagung eine Petition an den Bundestag schicken? Oder einen praktischen Fünfpunkteplan zur Verbesserung der jeweiligen Situation entwerfen? Oder selbst ganz konkret unser Verhalten ändern?«

Alle in der Runde nickten begeistert. »Wäre doch gar keine schlechte Idee?« »Warum denn nicht?« »Klingt zumindest vielversprechend!«

Dann kam Werner in Fahrt: »Ich finde auch, wir reden zu viel und machen zu wenig. Diese Greta Thunberg bringt die ganze Welt dazu, neu über Klimaschutz nachzudenken. Warum waren das eigentlich keine Christen, die sich eine clevere Aktion für die Erhaltung der Schöpfung haben einfallen lassen? Inzwischen gibt es nicht nur ›Fridays for Future‹, sondern auch ›Parents for Future‹ und ›Scientists for Future‹. Aber bei den Christen: Ziemlich tote Hose. Offensichtlich sind wir nicht für die Zukunft. Zumindest nicht erkennbar.«

Andreas stieg mit ein: »Es gibt doch in Deutschland weit über vierzig Millionen Christen. Jetzt stellt euch mal vor, die würden gemeinsam für etwas einstehen. Was das für eine Schlagkraft hätte: vierzig Millionen Menschen, die auf einmal nur noch ›Fair Trade‹ kaufen. Oder vierzig Millionen Menschen, die sich weigern, Plastikverpackungen zu nutzen. Oder vierzig Millionen Menschen, die im Internet nicht gegen, sondern für etwas sind. Wahnsinn!«

Werners Stimme überschlug sich

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