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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

Die neue Sprache des Glaubens

von Norbert Copray vom 07.09.2012
Das Christentum für Menschen des 21. Jahrhunderts

Gerd Theißen Glaubenssätze Ein kritischer Katechismus. Gütersloher Verlagshaus. 444 Seiten. 24,99 €

Was für ein sprachmächtiges Werk! Geschrieben und gesetzt in Sinnzeilen, ungewohnt und ungewöhnlich im Duktus, herausfordernd in Gedankenführung und Intention, markant im Spannungsbogen und im Inhalt. Der renommierte Gerd Theißen, emeritierter evangelischer Professor für Neutestamentliche Theologie in Heidelberg, hat ein Experiment gewagt. Und es ist ihm gelungen.

Schon sein Buch »Der Schatten des Galiläers«, in dem Theißen die historische Jesusforschung in erzählender Form darstellt, hat gezeigt, dass der Autor zu Besonderem in der Lage ist. Dass dieses Buch mittlerweile in 15. Auflage vorliegt, ist also nicht überraschend. Theißen ist ein Meister der deutschen neutestamentlichen Forschung, vor allem, was das Urchristentum anbelangt. 2002 wurde ihm von der British Academy die Burkitt-Medaille für biblische Studien verliehen. Und da er auch Germanistik studiert hat, versteht er sich erstklassig auf den Umgang mit der deutschen Sprache. Da sitzt jeder Satz, da stimmt jedes Bild, da wird der Inhalt flüssig und schlüssig.

Der lockere Zeilenfall, die überraschende Einteilung der Kapitel, der Fragen und der Antworten machen aus dem Buchtext eine Summe von Kleinoden, die an Jörg Zinks Werke, die von Wilhelm Gössmann, Dorothee Sölle und Huub Osterhuis erinnern. Poetische Passagen wechseln sich mit informativen ab, lehrhafte mit meditativen. Im Spannungsbogen, den Theißen entfaltet, gerät alles gemeinsam zu einer theologischen Meditation, die auch skeptische Geister anzuregen vermag. »Glaubenssätze« ist für die persönliche Besinnung, für die Lektüre in Gruppen sowie die Verwendung in Gottesdienst und Andacht sehr geeignet.

Nüchtern betrachtet schreitet Theißen den Evangelischen Erwachsenenkatechismus und Katholischen Katechismus mit seinen Themen ab. Eine Glaubenslehre in neuem sprachlichen Gewand: auf der Höhe der neutestamentlichen Forschung, der Fragen der Zeitgenossen, der wissenschaftlichen Erkenntnisse und der Turbulenzen der Gegenwart. Ganz einfach die Voraussetzungen: »Glaube hat als Quellen: Bibel und Tradition, Erfahrung und Vernunft« – wie es schon der Methodist John Wesley im 18. Jahrhundert

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