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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2012
Verloren im Vatikan
Ein Reformkonzil wird 50
Der Inhalt:

Chatten wie im Beichtstuhl

von Ingo Reuter vom 07.09.2012
Warum »Facebook« nicht nur eine Gefahr, sondern auch eine Chance für Mensch und Kirche ist

Moderne Medien waren schon immer eine Herausforderung für die Theologie. Jede neue Kommunikationsform wird erstmal als gefährlich und oberflächlich verdächtigt. Und so steht auch ein soziales Netzwerk wie Facebook in der theologischen Kritik.

Bedenken wegen der unkontrollierten Speicherung von Daten in diesem Netzwerk sind natürlich berechtigt. Und auch der undurchsichtige Börsengang von Facebook schafft nicht gerade positive Publicity. Gleichwohl werden die Chancen der neuen Kommunikationsform zu schnell übergangen. Und manche Kritik zeigt einfach nur ein falsches Verständnis des Netzwerks: Es ist nicht das vordringliche Ziel von Facebook, dort Freunde fürs Leben zu finden. Facebook ist vielmehr ein Medium, das Kontakte aus dem wahren Leben ergänzt und gestalten hilft. Der Begriff »Freunde«, dessen inflationärer Gebrauch bei Facebook so häufig kritisiert wird, wird im Amerikanischen ganz anders verstanden als im Bereich deutscher Denktiefe, der den Freund zum lebenslangen Geistesgenossen überhöht. »Freunde« auf Facebook, das sind Bekannte, Freunde, Menschen, mit denen man irgendwie zu tun hat.

Zugleich ist Facebook ein Mittel der Selbstpräsentation, Kommunikation und Beheimatung. Auf Facebook stellt man sich selber dar. Das eigene Leben wird ansichtig für andere in dem Maße, in dem man das will. Man kann sich klischeehaft inszenieren, als cooler Typ oder süßes Mädel. Die Gefahr, das eigene Leben zu schönen und schließlich eine schöne falsche Welt zu schaffen, ist natürlich gegeben. Aber ist das im wahren Leben anders?

Theologen äußern sich häufig zum Modethema Mobbing im Internet, aber zu gelungener Selbstdarstellung sagen sie wenig. Doch die »Likes« und positiven Kommentare zum geposteten Bild oder Inhalt stellen natürlich auch eine Bestärkung für das Subjekt dar, das sich als beachtet erfährt.

Facebook bedeutet Kommunikation: Man kann Beiträge veröffentlichen (»posten«) und kommentieren, man kann in Kurzbotschaften plaudern (»chatten«) und sich über die integrierte Videofunktion dabei auch zusehen. Der Austausch über gepostete Inhalte kann albern, aber auch ernsthaft sein. Praktisch-theologisch darf man die Chatkommunikation nicht unterschätzen. Für manche Nutzer ist es hier leichter, über ihre Probleme zu sprechen, als beim Vier-Augen-Gespräch. Die virtuelle Distanz kann dabei ähnlich hilfreich wirken wie

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