Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

»Wir lehnen den Wiederaufbau ab«

vom 29.08.2014
Erklärung von Christen aus Ost und West zur Potsdamer Garnisonkirche

Der geplante Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche stößt unter Christinnen und Christen aus Ost und West auf Ablehnung. In einer zum Weltfriedenstag, dem 1. September, in Potsdam veröffentlichten Erklärung begründen sie ihre Ablehnung vor allem mit der historischen Rolle, die das Bauwerk bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hatte. Zudem wollten sie dem Eindruck entgegentreten, das Vorhaben werde von der christlichen Bevölkerung im Land einhellig begrüßt.

So habe die Potsdamer Garnisonkirche insbesondere für eine Kirche gestanden, »die sich von Obrigkeit und Militär in den Dienst nehmen ließ, Demokratie verachtete und auf politische Weisung Krieg predigte«, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Darin erinnern die mehr als fünfzig Unterzeichner auch an den »Tag von Potsdam«, an dem am 21. März 1933 das verheerende Bündnis zwischen konservativem Bürgertum, preußischem Militär und Nazi-Führung mit kirchlichem Zeremoniell besiegelt wurde. Lange Zeit habe die Kirche den Krieg durch religiöse Deutung als Gottes Wille gepredigt und Soldaten auf Gehorsam bis in den Tod eingestimmt. Ein Wiederaufbau dieser ab 1730 errichteten evangelischen Kirche, von der nach 1945 nur noch Reste der Umfassungsmauern und der Turm bestanden, werde notgedrungen als positive Stellungnahme zu dieser Geschichte verstanden. Das aber widerspreche dem Weg, den die Kirchen in Deutschland mit der Absage an jeden Nationalismus und dem öffentlichen Eintreten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung eingeschlagen haben.

Umso fraglicher sei für sie, wie der Wiederaufbau der Garnisonkirche als Zeichen verstanden werden kann, das dem entspricht. »Weil Kriege, Militarisierung der internationalen Beziehungen und Missbrauch von Religion zu kriegerischer Hetze bedrohlich aktuell sind, weil auch in Deutschland von ›neuer Macht‹ geredet, gegen eine ›friedensverwöhnte Gesellschaft‹ polemisiert und ein Ende der militärischen Zurückhaltung gefordert wird, brauchen wir heute ein anderes Zeichen als eine neue Garnisonkirche«, unterstreicht die Erklärung, die von möglichst vielen unterzeichnet werden möchte.

Zu den Erstunterzeichnern gehören die Theologin Almuth Berger, Berlin; die Juristin Herta Däubler-Gmelin (SPD), Tübingen; der Erfurter Propst i. R. Heino Falcke; der Politikwissenschaftler Hajo Funke, Berlin; der Theologe und Friedensethiker Joachim Garstecki, Magdeburg; der The

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen