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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

Buch des Monats: Wie der Frieden gelingt

von Norbert Copray vom 29.08.2014
Über das Potenzial, das die Religionen entfalten können

Markus A. Weingardt
Was Frieden schafft
Religiöse Friedensarbeit. Akteure, Beispiele,
Methoden. Gütersloher Verlagshaus. 230 Seiten. 24,99 €

Alles ist nichts ohne Frieden. Das zeigen die aktuellen Kriege und Konflikte, aber auch die des 20. Jahrhunderts. Doch nur ein Friede, der einhergeht mit Rechtsstaatlichkeit, Freiheit und sozialem Ausgleich, ist ein Frieden, der trägt. Für einen solchen Frieden braucht es alle Kräfte, vor allem das Friedenspotenzial der Religionen – auch zur Überwindung des Konflikt- und Gewaltpotenzials in den Religionen selbst.

Im Geist der von Hans Küng gegründeten Stiftung Weltethos stellt Markus Weingardt, Politik- und Verwaltungswissenschaftler sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung, in seinem Buch »Was Frieden schafft« zwanzig beispielhafte Ansätze und Praktiken religiöser Friedensarbeit vor. Zehn Methoden religiöser Friedensarbeit, die zu Anfang eines jeden Kapitels erläutert werden, hat er je ein konkretes Beispiel aus Deutschland und je eines aus außereuropäischen Ländern wie Ruanda, Kongo, Kambod scha, Argentinien, Chile, Südafrika, Israel und Palästina zugeordnet.

So wird etwa die »Gewaltfreie Aktion« beschrieben und anschließend anhand des »Kirchenasyls« erläutert, wie die Ökumenische Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche diese Methode konkret nutzt und umsetzt. Vorgestellt werden die Muslime in Ruanda, eine kleine Minderheit, die sich gewaltlos dem Genozid an den Tutsi in Ruanda durch die Hutu und dem wechselseitigen Morden auch von Nachbarn und Familienmitgliedern entgegenstemmt: Während in nur hundert Tagen zwischen 800 000 und eine Million Menschen in diesem »nominell christlichsten aller afrikanischen Staaten« brutal umgebracht werden, unterweisen die Muslime in ihren Gemeinden die Gläubigen, sich von der Gewaltorgie nicht anstecken zu lassen. Sie tun dies, indem sie auf der Basis des Korans den Wert einer jeden Ethnie und die Gleichwertigkeit aller Menschen herausstellen und klarmachen, dass niemand das Recht habe, einen anderen zu töten.

So finden Verfolgte »in ihren Häusern und Moscheen Schutz, ohne Verrat fürchten zu müssen«. Muslime errichten Straßensperren, um den Vormarsch der Hutu zu behindern, spionieren in den Todesschwadronen die Pläne aus, warnen rechtzeitig Flücht

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