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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

»Der Dom soll offen sein für alle«

von Eva-Maria Lerch vom 29.08.2014
Im Urlaub zieht es viele Touristen in die Kirchen. Menschen wie Robert Richter sind dort für sie da

Sie möchten einen Domführer? Hier, bitte schön. Es gibt auch einen speziell für Kinder. Kleingeld habe ich auch, klar, kann ich wechseln. Ich will nur kurz dem Herrn dort das Tor zum Heidenhof aufschließen. Unser Dom hat nämlich einen verschlossenen Innenhof, dort kann man das alte romanische Portal besichtigen. Wollen Sie mitkommen?

Es ist immer schön, hier in der kühlen Kirche zu sitzen und für die Besucher da zu sein. An den Wochenenden von Mai bis Oktober sorgen wir, das ökumenische Team vom »Dom-Informationsdienst«, dafür, dass der Dom geöffnet bleibt. Wir sind etwa zwanzig Personen und machen das ehrenamtlich.

Ich finde es wichtig, dass das schöne mittelalter liche Gotteshaus und Wahrzeichen der Stadt im Sommer für alle offen ist. Und dass man da drinnen nicht nur Mauern und Bänke antrifft, sondern auch jemanden, der einen willkommen heißt. Wenn ich selber im Urlaub bin, freue ich mich auch, wenn die Kirchen offen sind und jemand darin wartet, dem man Fragen stellen kann. Auch wenn man eine Kirche wieder vergisst, wirken die Gespräche oft lange nach.

Die Leute, die hier durch das Hauptportal hereinkommen, sind total verschieden. Die eine Sorte geht nur drei Meter bis zum ersten Pfeiler und verschwindet wieder. Andere sind kunstgeschichtlich interessiert, sie fragen nach der Architektur, die ja echt außergewöhnlich ist. Dieser Dom wurde immer nur stoßweise gebaut, wenn die Stadt gerade im Aufwind und Geld dafür da war. Das kann man heute noch an den wechselnden Baustilen erkennen.

In unserer säkularisierten Gesellschaft wissen viele nicht mehr genau, was eine Kirche bedeutet. Sie sehen darin ein Denkmal. Aber häufig kommen dann Fragen zur Bedeutung verschiedener Symbole, zum Beispiel dem Ewigen Licht, dem Weihwasser oder der Pietà. Manche setzen sich einfach nur still in die Bank, zünden eine Kerze an oder schreiben ihr Gebet ins Fürbittenbuch. Denen fühle ich mich am nächsten.

Die häufigste Frage ist aber die nach der Ökumene. Der Wetzlarer Dom ist eine Simultankirche, er wird seit der Reformation von der evangelischen und der katholischen Gemeinde gemeinsam genutzt. Das finden viele Besucher faszinierend, und sie wollen wissen, wie das Zusammenleben funktioniert.

Zuweilen kommen auch Leute, die eine Geschichte mit dem Dom haben, weil sie hier konfirmiert wurden oder geheirate

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