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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2012
Mordshunger
Die Würde des Tieres ist antastbar
Der Inhalt:

Schatten der Vergangenheit

von Heiko Krebs vom 24.08.2012
Beratungsstellen für ehemalige DDR-Heimkinder eröffnet

Nachdem bereits im Januar dieses Jahres für ehemalige Heimkinder in den westdeutschen Bundesländern Beratungsstellen eröffnet und ein Entschädigungsfonds für erlittenes Unrecht eingerichtet wurde, können sich ab Anfang Juli auch ehemalige DDR-Heimkinder an Anlauf- und Beratungsstellen in den ostdeutschen Bundesländern wenden. Die in der Regel bei den Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen angesiedelten Einrichtungen wollen die Betroffenen bei ihrer Trauma-Bewältigung und Inanspruchnahme von Hilfen aus dem Fonds »DDR-Heimerziehung« unterstützen.

An dem Hilfefonds, der mit insgesamt vierzig Millionen Euro ausgestattet ist, beteiligen sich zur Hälfte die fünf Bundesländer entsprechend ihrer Bevölkerungszahl, zur anderen Hälfte die Bundesregierung. Das Geld ist unter anderem für Hilfen und Rentenersatzleistungen für Menschen bestimmt, die durch ihren Heimaufenthalt dauerhafte Belastungen und Schäden davongetragen haben. In Thüringen liegen bereits rund tausend Entschädigungsanträge vor, in Brandenburg und den anderen ostdeutschen Ländern sind es jeweils über 200.

Anders als in Westdeutschland zahlen die Kirchen in der Ex-DDR bislang nicht in den Entschädigungsfonds ein. Nach einer Expertise des Bundesinnenministeriums waren allerdings in den 1950er-Jahren bis zu einem Viertel der ostdeutschen Jugendhilfeeinrichtungen in kirchlicher Hand. Da sie als »politisch unzuverlässig« galten, wurden sie auf staatlichen Druck nach und nach geschlossen. Sicher herrschten dort andere Zustände als in den Jugendwerkhöfen oder Spezialkinderheimen der DDR. Doch sind auch in den konfessionellen Jugendhilfeeinrichtungen »Grenzüberschreitungen« nicht ausgeschlossen.

Die Einschätzung, wann in der Heimerziehung Grenzen überschritten worden sind, sei recht schwierig, sagt Torsten Silberbach, Vorstandsvorsitzender der Stephanusstiftung. Schließlich könnten an die Erziehungsmethoden zu damaliger Zeit nicht die Maßstäbe von heute angelegt werden: »Die Ohrfeige war damals völlig normal.« Doch darum gehe es auch nicht. Es habe in den Heimen immer wieder Menschenrechtsverletzungen gegeben, die auch damals nicht gerechtfertigt waren. Eindringlich warnt Silberbach davor, alle Kinderheime in Ostdeutschland über einen Kamm zu scheren. Die Zahlen sprechen für sich: Zwischen 1949 und 1989 waren nach offiziellen Angaben rund 435 000 Kinder und Jugendliche in DDR

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