Meine Geschichte: Mai Duong Kieu
»Man kann mich biegen, aber brechen kann man mich nicht«
Meine erste Erinnerung an mein Leben in Deutschland ist eine genussvolle: Als Kind liebte ich Leberwurst, Kartoffeln und Quark. Gerade weil sich all das so sehr von den Geschmackserlebnissen meiner ersten fünf Lebensjahre in Vietnam unterschied. Wie vieles andere in Deutschland: das Wetter, das Zeitgefühl und den Anspruch, funktionieren zu müssen. Letzteres musste ich früh lernen, weil ich – wie viele Kinder mit Migrationsgeschichte – als Dolmetscherin meiner Eltern fungierte. Die Rollen meiner Eltern veränderten sich in Deutschland: Meine Mutter verlor an Sichtbarkeit, mein Vater gewann an Sichtbarkeit, weil Männer hier eine viel dominantere Rolle spielen als in Vietnam.
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