Das Vorzeigedorf
Oase des Friedens – das heißt Neve Shalom übersetzt, auf Arabisch Wahat al-Salam. Das gleichnamige Dorf stößt längst nicht bei allen in Israel auf Zustimmung. »Hin und wieder hatten wir nachts Überfälle«, erinnert sich Rita Boulos. Sie ist eine Art Pressesprecherin der Dorfgemeinschaft. »Offenbar provoziert die Idee, dass Juden und Araber friedlich zusammenleben.« Doch Juden, Christen und Muslime zeigen seit 35 Jahren, dass das geht. Rita Boulos, Palästinenserin, ist eine von ihnen. Ende der 1980er-Jahre ist sie mit ihrer Familie ins Friedensdorf gezogen. Sechzig Familien leben hier, die Hälfte von ihnen jüdisch, die andere palästinensisch. Wahat al-Salam liegt mitten in Israel: In zwanzig Minuten ist man am Flughafen Tel Aviv; in die andere Richtung fahren manche Dorfbewohner zur Arbeit nach Jerusalem. Wenn nicht gerade ein Sandsturm den Himmel vernebelt, sieht man von den bewaldeten Hügeln aus das Mittelmeer.
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Karl-Heinz Behr ist Sozialpädagoge und Journalist. Er schreibt für den »Freitag«, die »Badische Zeitung« und die »Kontext Wochenzeitung«.
