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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2014
Papst Franziskus und seine Gegner
Der Inhalt:

All dieser Schmerz

A-cappella-Gesang. Schrift sei das Gefängnis der Poesie, hat der Lautpoet Michael Lentz gesagt. Und ja, für Verleger ist Lyrik ein Problemfall, die Auflagen sind in der Regel klein – Gedichte scheinen aus der Zeit gefallen. Aber schon naht die Rettung: Das A-Capella-Quintett Wortart Ensemble vertont Gedichte von Marie Luise Kaschnitz, Eva Strittmatter, Wolf Wondratschek – und jetzt, auf ihrer zweiten Platte, auch von Nora Gomringer.

Ihr Vater, der Schweizer Schriftsteller und Literaturtheoretiker Eugen Gomringer, machte einst die Konkrete Poesie populär. Die Tochter ist Poetry-Slammerin, mehrfach preisgekrönt, eine hoch gelobte Autorin. Seit 2010 leitet sie das Bamberger Künstlerhaus Villa Concordia. Sie will nicht nur gelesen, sie will gehört werden. »Lyrik ist ohnehin fast Musik«, sagt sie.

»Ich war das Mädchen, Mädchen, Mädchen war ich/ Das du sortiertest/ Sortiert hast du mich/ So spricht das Monster/ Das Monster bin ich.« Es ist bezaubernd, was die fünf Sängerinnen und Sänger aus solchen Zeilen machen: Gesungen verliert dieses Gedicht die Fremdheit der intimen Dichter-Sprache, es beginnt zu schweben, verwandelt sich in Sinnlichkeit, und plötzlich möchte man ausrufen: Ja, diesen Schmerz, diese Sehnsucht, all das kenne ich doch auch.

Die Wortart-Lieder sind in ihrer Schönheit und sphärischen Entrücktheit eine Erlösung für jedes Gedicht. Nora Gomringer, ausgebildete Sopranistin, ist bei manchen Stücken mit von der Partie und insgesamt glücklich über dieses Projekt: »Für mich ist es ein großer Segen, eine solche Gruppe gefunden zu haben, die es mit mir aushält und ich es mit ihnen. Und d