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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2013
Die Andersleute
Haben die Orden noch eine Zukunft?
Der Inhalt:

Reich Gottes Hier und jetzt, nicht irgendwann

von Klaus Simon vom 16.08.2013
Jesus von Nazareth war überzeugt, dass eine andere Welt
schon in der Gegenwart Wirklichkeit werden kann.
Das zeigt die exegetische Forschung

Es besteht ein ungebrochenes Interesse am historischen Jesus von Nazareth, also an dem, was damals in Palästina genau geschehen ist. Und es ist klar, warum: Die Autoren der Evangelien, die vom Leben Jesu erzählen, betonen die Bedeutung der geschichtlichen Ereignisse für den Glauben. Der »Christus des Glaubens« kann mithin nicht getrennt werden vom »historischen Jesus«, wenn wir vermeiden wollen, dass »ein Mythos an die Stelle der Geschichte … tritt«, wie es der evangelische Neutestamentler Ernst Käsemann einmal formuliert hat. Wir Heutigen können also vom historischen Jesus nicht einfach absehen.

Was die Sache allerdings erschwert: Es gibt keine objektiven Daten zur Person Jesu. Was wir über ihn wissen, ist vom Glauben der ersten Christen, der Urgemeinde, geprägt. Deshalb begann bereits in den 1960er-Jahren eine Neuausrichtung der Frage nach Jesus. Man suchte Informationen über ihn nun nicht mehr – weil meist vergeblich – außerhalb der christlichen Überlieferung. Vielmehr, so sagte man sich, müssten doch die überlieferten Worte Jesu immerhin Rückschlüsse auf seine Person und sein Anliegen ermöglichen.

Und in der Tat: Die Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas liefern das Material dazu. Sie heißen synoptische Evangelien: zusammenschauend, nebeneinandergereiht. Im Zentrum der erzählten Jesusworte steht die Botschaft vom »Reich Gottes« (auch Gottesherrschaft, griechisch: basileia tou theou). Dieser Begriff meint eine Welt, in der Gottes Wille Beachtung findet und Gottes Nähe und Liebe erfahrbar werden – eine Welt also, wie sie nach Jesu Vorstellung eigentlich sein soll.

Damalige Quellen erwarteten das Hereinbrechen des Gottesreiches als unmittelbar bevorstehend: als apokalyptische Vernichtung der alten Welt und als Aufrichten eines Reichs der Gerechtigkeit durch Gott. Auch die drei synoptischen Evangelien stehen unter einer solchen Erwartung. Zugleich enthalten sie aber noch Jesusworte anderer Art, wie etwa dieses: »Kommt, denn es ist schon bereit! Das Gottesreich ist da, mitten unter euch!«

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