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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2013
Die Andersleute
Haben die Orden noch eine Zukunft?
Der Inhalt:

In Grönland geläutert

von Hannes Gamillscheg vom 16.08.2013
Als Imam heizte Ahmed Akkari die weltweiten Proteste gegen die Mohammed-Karikaturen an. Heute hält er das für falsch

Er sei runder geworden, sagt Ahmed Akkari selbstironisch. Das bezieht sich nicht nur auf die fülligeren Wangen, die jetzt bartlos sind, und auf die korpulentere Figur. Auch in seinem Denken ist der 34-Jährige nicht mehr so kantig wie damals vor sieben Jahren, als er in der Karikaturenkrise, die Dänemark zum Hassobjekt der islamischen Welt machte, eine Schlüsselrolle spielte. »Ich habe geglaubt, dass alles ein Kampf zwischen Gut und Böse ist. Alle, die anders dachten, waren Feinde, die es zu bekämpfen galt.« Jetzt sagt der frühere radikale Islamist, dass er den Wert einer toleranten Gesellschaft verstanden habe, in der Platz für alle ist, so zu leben und zu denken, wie sie wollen.

Es ist eine weite Reise, die Akkari hinter sich hat, in doppelter Hinsicht: Mit sieben kam er als Flüchtlingskind mit seinen Eltern aus dem Libanon nach Dänemark. Sein Vater war einer der Zuwanderer, die sich integrieren wollen in ihrer neuen Heimat, doch der Sohn fand Freunde im islamistischen Milieu, brach sein Studium ab, las heilige Schriften und wurde Imam.

Als die Zeitung Jyllands-Posten die Toleranz der Muslime und die Grenzen der Meinungsfreiheit ausloten wollte und zwölf Karikaturen Mohammeds veröffentlichte, war Akkari Sprecher der islamischen Organisationen, die gegen die »Beleidigung des Propheten« protestierten und eine Entschuldigung verlangten, nicht nur von der Zeitung, sondern auch vom dänischen Staat. Als diese ausblieb, reiste er mit Gleichgesinnten in mehrere arabische Länder, um die dortigen Gläubigen zu Protesten gegen Dänemark aufzuhetzen.

Das Ergebnis ist Geschichte: wütende Demonstrationen vor dänischen Botschaften, von denen mehrere in Flammen aufgingen, an die hundert Tote bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften, ein Kaufboykott, der dänische Waren monatelang aus den arabischen Supermärkten verbannte. Islamistische Terrorgruppen riefen zu Anschlägen auf dänische Ziele auf. Heute sagt Akkari, er schäme sich für seine damalige Rolle.

Sein Umdenken sei die »Erkenntnis einer langen Reise«, sagt er. Zu zweifeln begann er, als er sah, wie man in arabischen Ländern »Religion für politische Zwecke und zur Selbstdarstellung missbraucht«, und erkannte, dass er sich selbst »auf dem gleichen Weg« befand. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück und ging nach Grönland, als Volksschullehrer. In der Einsam

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