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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2012
Nicht aufgeben!
Was von Martin Luther zu lernen wäre
Der Inhalt:

Gegen die Schere im Kopf

von Nina Jeglinski vom 27.07.2012
Irina Solomko (30), leitende Politik-Redakteurin, hat Angst um die Medienfreiheit und ihren Berufsstand in der Ukraine

Ständig diese Angst! Aber auch diese Wut! Sie begleitet mich auf meinem täglichen Arbeitsweg zur Redaktion des politischen Magazins Korrespondent. Für das arbeite ich als leitende Redakteurin in Kiew. Dabei steht für mich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen fest: Wir lassen uns nicht unterkriegen! Jetzt erst recht nicht. Denn keine der Versprechungen, es werde nach der Fußball-EM besser mit der Freiheit im Land, ist eingelöst. Im Gegenteil. Wer gegen Missstände anschreibt, wird entlassen, sogar misshandelt. Der Wahlkampf ist bereits in vollem Gang. Und ich habe das ungute Gefühl, dass sich nach den Wahlen die Situation der Medien in unserem Land weiter verschlechtern wird. Seit dem Amtsantritt von Präsident Viktor Janukowitsch im Frühjahr 2010 ist das so. Und hört nicht auf.

Mittlerweile sind die großen TV-Sender komplett unter Kontrolle der Regierung. Wie auch weite Teile der anderen Massenmedien bis auf wenige kleine Inseln. Etliche Journalisten haben ihren Job verloren oder sich arrangiert. Und die Hoffnung, dass das Internet etwas ändern könnte, ist gleich null. Denn es ist bisher wenig verbreitet. Nur 21 Prozent besitzen einen Anschluss, viele können die Technik nicht bezahlen. Es ist nach wie vor ein Privileg der gut verdienenden Menschen.

Auch das Magazin Korrespondent, meine Zeitschrift, ist im Besitz eines Geschäftsmannes, der seit einigen Monaten sogar Minister ist. Als Petro Poroschenko den Verlag im vergangenen Jahr übernommen hat, waren wir Mitarbeiter sehr skeptisch. Ich arbeite seit Beginn beim Korrespondent. Das Magazin wurde 2002 von einem Amerikaner gegründet, Newsweek und Time Magazin galten uns als Vorbild. Heute sind wir alle unsicher, was mit uns und dem Verlag wird. Werden wir uns gegen das Diktat des Geldes stellen können? Und, wenn ja, wie lange noch? Das fragen wir uns jeden Tag. Denn es gibt bei uns das Problem der bezahlten Interviews und Geschichten. Unverhohlen treten Politiker an Medien heran, bieten Geld, damit ein Artikel in ihrem Sinne erscheint.

Vor allen bei Wahlkämpfen ist das so. In diesem Jahr ist es besonders schlimm. Viele fühlen sich an die Zeiten Ende der 1990er-Jahre erinnert, als nahezu alle Medien sogenannte »Jeans« – so heißen die bestellten Beiträge – verbreiteten. Heute gibt es wieder Politiker, die ihren Wahlkampf mit dieser

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