Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2012
Nicht aufgeben!
Was von Martin Luther zu lernen wäre
Der Inhalt:

»Du wählst dein Ziel«

von Christian Modehn vom 27.07.2012
Initiative »Gangbar«: Pilgern – gerade auch für Arbeitslose

Das Pilgern hat ihm die Lebensenergie wiedergegeben. Als er sich als Webdesigner völlig erschöpft fühlte, wollte Christian Haase aus Berlin-Neukölln nicht einfach faulenzen; er wollte ein Ziel ansteuern, das sich auch spirituell lohnt. Darum entschied er sich fürs Pilgern. Er wollte Orte aufsuchen, die einen Besuch verdienen.

Von Görlitz aus kam er durch Kamenz, die »Lessing-Stadt«; er lernte Naumburg kennen und Erfurt. Auf dieser Etappe des »Ökumenischen Pilgerwegs« nach Vacha in Thüringen, schon beinahe an der Grenze zu Hessen, war Christian Haase meistens allein unterwegs. »Da wird man mit sich selbst konfrontiert«, erzählt der Pilger. Nur abends, in den Herbergen, konnte er sich mit fremden Menschen freundschaftlich austauschen.

Haase sagt: »Mir tat es gut, auch körperlich an die Grenzen meiner Belastbarkeit zu kommen. Das Pilgern begeisterte mich so sehr, dass ich seitdem nicht nur meinen Urlaub pilgernd verbringe, sondern vor allem andere einlade, als Pilger einem Ziel entgegenzugehen.«

Inzwischen hat Christian Haase die Initiative »Gangbar« gegründet: Neben seiner Tätigkeit in einem Job-Center will er in seiner Freizeit Arbeitssuchenden Alternativen zeigen: »Ich habe vor Kurzem ›Gangbar‹ zusammen mit André Kohnert geschaffen als eine Aktivierungshilfe: Im Pilgern testen Menschen ihre Fähigkeiten.« Langzeitarbeitslose neigen zur Resignation, Pilgern kann sie davon befreien. Etliche Arbeitssuchende ließen sich bereits von der ungewöhnlichen Methode begeistern.

Aber es gibt praktische Schwierigkeiten: Wer sich auf den über 2000 Kilometer langen Fuß- oder Fahrradpilgerweg nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens aufmacht, braucht die Genehmigung des für ihn zuständigen Job-Centers mit der Zusicherung, dass die Leistungen während der sechs Monate dauernden Tour nicht gestrichen werden.

Um breite Kreise fürs das »heilsame Pilgern« anzusprechen, hat Christian Haase neue Formen des »Probepilgerns« entwickelt. Wer sich bisher nicht »raustraute«, kann ein paar Stunden oder auch ein paar Tage im Berliner Umland einem selbst gewählten Ziel entgegengehen und dabei auch unbekannte Landschaften und Städte entdecken. Für viele »religionsferne« Menschen in Berlin ist dies sicher eine geeignete Form, das Pilgern überhaupt einzuüben.

Wenn Christian Haase als Jakobspilger unterwegs

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen