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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2012
Nicht aufgeben!
Was von Martin Luther zu lernen wäre
Der Inhalt:

Aufbruch am Strand

von Gerhard Dilger vom 27.07.2012
Die UNO-Konferenz in Rio hat wenig gebracht. Wirkliche Alternativen wurden auf dem »Völkergipfel« diskutiert

Außer Spesen nichts gewesen? Erwartungsgemäß ging der Rio+20-Gipfel zu »nachhaltiger Entwicklung« sang- und klanglos über die Bühne. Die Entwicklungs- und Schwellenländer betrachteten es bereits als Erfolg, dass es gegenüber dem großen Erdgipfel von 1992 keine Rückschritte gab. So wurde gegen die USA das Prinzip der »gemeinsamen, aber differenzierten Verantwortung« verteidigt, das die Industrieländer wegen ihres hohen Ressourcenverbrauchs besonders in die Pflicht nimmt.

Aufbruchstimmung herrschte nicht im riesigen, klimatisierten Tagungszentrum Riocentro im Süden, sondern eher eine Busstunde entfernt: Zehntausende Vertreter der Weltbürgerbewegung kamen eine gute Woche lang auf dem bunten »Völkergipfel« am Strand von Flamengo im Zentrum von Rio de Janeiro zusammen. »Dort sind die Verhandlungen, hier ist das Leben«, brachte es der kanadische Technikkritiker Pat Mooney auf den Punkt.

Ähnlich wie auf den Weltsozialforen des letzten Jahrzehnts versammelten sich Aktive aus aller Welt zu zahlreichen Veranstaltungen und Protestaktionen. Dort dominierte zunächst die Kritik an der herrschenden Entwicklung. Als Beispiel für die Probleme jenes grünen Kapitalismus, der manchen in der UNO als Zukunftsvision vorschwebt, verwies Pat Mooney auf ein – vorerst gescheitertes – Projekt des US-Multis Amyris, in São Paulo mit Verfahren der synthetischen Biologie Agrosprit aus Zuckerrohr zu gewinnen. »Das ist genauso wenig grün wie die Atomkraft«, sagte er. 1992 habe man an die UNO appelliert, Biopiraterie durch große Firmen zu unterbinden, vergeblich. »Damals haben die größten zehn Saatgutfirmen weniger als 25 Prozent des kommerziellen Saatgutes kontrolliert, heute beherrschen die größten drei – Monsanto, Dupont und Syngenta – 53 Prozent.« Mooneys Fazit: »Die Finanzindustrie hat das Finanzsystem zerstört. Jetzt dürfen wir den großen Konzernen nicht auch noch erlauben, die Natur zu zerstören.«

Die brasilianischen Aktivisten protestierten aber auch gegen die brasilianische Spielart des grünen Kapitalismus: Umweltgruppen geißelten die Aufweichung des Waldgesetzes, das trotz eines Teilvetos von Brasiliens linker Präsidentin Dilma Rousseff eine Teilamnestie für Waldzerstörer vorsieht. Indigenas unter der Führung des legendäre

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