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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

Tschernobyl der Weltmeere

von Bernhard Clasen vom 23.07.2010
Russische Aktivisten machen gegen das erste schwimmende Atomkraftwerk der Welt mobil. Zwei Jahre bleiben ihnen

Anfang Juli lief in St. Petersburg das weltweit erste schwimmende Atomkraftwerk vom Stapel. Die Stimmung ist seither bei der russischen Regierung wie auch beim Atomkonzern Rosatom euphorisch. Man träumt von einer Serienproduktion und Aufträgen rund um den Globus. Gerade in Südafrika, Stadtstaaten wie Hongkong oder Singapur und in Inselstaaten sieht Nikolaj Kuselew, Fachmann für Atomfragen in der russischen Staatsduma, potenzielle Kunden für die schwimmenden Atomkraftwerke made in Russia. 2012 soll die Akademik Lomonossow in Murmansk mit atomarem Brennstoff beladen werden, anschließend geht es auf dem Seeweg weiter nach Kamtschatka im Fernen Osten Russlands, wo das AKW dann erstmalig Strom produzieren soll.

So bleiben der internationalen Umweltbewegung noch knapp zwei Jahre Zeit, um zu verhindern, dass ein Atomkraftwerk mit hochradioaktiven Brennstäben und einem eigenem Atommülllager durch die Weltmeere geistert. Noch kann verhindert werden, dass ein solches Atomkraftwerk irgendwo im Indischen oder Pazifischen Ozean bei einem Tsunami kentert, die beiden Atomreaktoren samt schiffseigenem Atommüllzwischenlager mit in die Tiefen der Meere nimmt. Und so für Generationen als schwimmendes Tschernobyl das maritime Leben in einer Region der Welt vergiftet.

Die mit zwei 35-Megawatt-Reaktoren bestückte antriebslose Akademik Lomonossow ist für 38 Jahre Laufzeit ausgelegt. 64 Personen pro Schicht sollen auf dem 140 Metern langen und dreißig Meter breiten schwimmendem Kraftwerk arbeiten. Die sogenannten KLT-Reaktoren sind die gleichen, die auch in den russischen Atomeisbrechern eingesetzt werden. Die Brennelemente bestehen aus dreißig bis vierzig Prozent angereichertem Uran (zum Vergleich: Der Brennstoff in den Druckwasserreaktoren von Atomkraftwerken ist zu drei bis vier Prozent mit Uran angereichert). Neben der Energieversorgung abgelegener Gebiete sollen solche Anlagen bei der Ausbeutung arktischer Gasvorkommen Einsatz finden.

Kritikern wie Befürwortern des umstrittenen Projektes ist klar: Das für Kamtschatka bestimmte schwimmende AKW ist allenfalls ein Prototyp, der das Interesse ausländischer Käufer wecken und somit eine Serienproduktion anstoßen soll. Wirtschaftlich ergibt es keinen Sinn. Hermann Gref, von 2000 bis 2007 Minister für wirtschaftliche Entwicklung und Handel in der russischen

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