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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

Es zählt allein der Preis

von Norbert Copray vom 23.07.2010
Über die Gier und die Täuschungen der Lebensmittelindustrie

Tanja Busse Die Ernährungsdiktatur Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt. Blessing. 334 Seiten. 16,95 €

In Deutschland bestimmt der Preis die Ernährung. Oder besser: der Gewinn. Er ist der eigentliche Diktator in der »Ernährungsdiktatur«, die die sachkundige und engagierte Journalistin Tanja Busse in ihrem neuen Buch kritisch analysiert. Die Top-Entscheider der Nahrungsindustrie bekannten laut Busse in der Januar-Ausgabe der Lebensmittel-Zeitung einhellig, unumwunden und unmissverständlich: »Das beherrschende Thema bleibt der Preis. Wir setzen auf Wachstum durch Kundenbindung.« Ergebnis dieser Stromlinienförmigkeit: »Massenware für Menschenmassen«, Einheitslebensmittel, deren Grundstoffe Mais, Reis, Weizen schnell wachsende, ertragreiche Pflanzen sind. Diese günstigen Rohstoffe »werden mit Hilfe der Lebensmittelchemie aufgemotzt und in eine Form gebracht, die Vielfalt suggeriert«.

Die Herkunft der Lebensmittel spielt in einer globalisierten Ernährungs- und Landwirtschaftsindustrie keine große Rolle. Es zählt der Preis – für die Masse der Verbraucher. Es zählt der Gewinn – für die überschaubare Menge der Ernährungsunternehmen. Genau 51 359 Lebensmittelgeschäfte täuschen bei 7000 verschiedenen Lebensmitteln Vielfalt und eine Wahlfreiheit der Verbraucher nur vor. Letztere wird von den Großen der Ernährungsindustrie schon lange unterlaufen: mit »Pseudoauswahl und Konsumentenverwirrung«.

Tanja Busse hat ein sehr anschauliches, informatives und perspektivenreiches Buch geschrieben. Sie bricht eine Lanze für jene, die gegen die Ernährungsdiktatur aufstehen: Verbraucher, Erzeuger und Ernährungspolitiker. Denn es geht nicht nur um Lebensmittelmogeleien, um das Vortäuschen von natürlich und echt, nicht nur um Geschmacks- und Fitnessbetrug. Es geht um globale industrielle Erzeugungs- und Ernährungsstrategien, die den Hunger in der Welt, den Profit für wenige, den Kollaps der Anbauflächen, die Quälerei der Tiere und den Siegeszug der von den Verbrauchern mehrheitlich abgelehnten Gentechnik verursachen.

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