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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

Eine Brücke, die trägt

vom 23.07.2010
Wie geht das: Christsein heute? Zwei Theologinnen streiten, welcher Weg in die Zukunft führt. Antwort auf einen Brief

»Männergott in Frauenhand« hieß der Titel einer »Baustelle Christentum« in Publik-Forum 10/2010. Doris Strahm, feministische Theologin aus der Schweiz, kritisierte darin das Ideal einer Christus-Mystik, wie es die Tübinger Theologin Elisabeth Moltmann-Wendel beschrieb – und setzte dem eine Spiritualität entgegen, »die sich öffnet für die Begegnung mit anderen religiösen Traditionen«. Elisabeth Moltmann-Wendel schrieb ihr daraufhin einen offenen Brief (Publik-Forum 13/2010), in dem sie bei Strahm Militanz, »Christophobie« und eine Reduzierung des Glaubens auf »Geist-Schamanen-Kraft« analysierte. Wir schließen diese theologische Debatte mit einer Antwort Strahms ab.

Liebe Elisabeth,

Du wünschst Dir in Deinem Brief »eine Brücke des Austauschs« zwischen uns. Die wünsche ich mir auch. Denn nicht nur Mary Daly hat mein theologisches Denken beeinflusst, sondern auch Du bist mir lange Jahre eine inspirierende Lehrerin gewesen. Anders als Daly – deren radikale Kritik mir die Augen für die patriarchalen Verzerrungen des Christentums öffnete und deren scharfer Analyse feministische Theologinnen meiner Generation viel verdanken – habe ich mich von der christlichen Religion nicht verabschiedet. Ich habe vielmehr nach befreienden Spuren in unserer Tradition gesucht, die den Töchtern Gottes neue Lebensräume erschließen. Dabei sind mir unter anderen Deine Bücher eine Quelle der Inspiration für eine lebensbezogene Theologie gewesen.

Die Christologie war von Anfang an der Brennpunkt meiner feministisch-theologischen Arbeit. Wie kann der Glaube an Jesus als den Christus so formuliert werden, dass damit nicht weiterhin eine Herrschaftschristologie verbunden werden kann, die die befreiende Botschaft des jüdischen Propheten aus Nazaret ins Gegenteil verkehrt? Es ist nicht Christophobie, wie Du mir unterstellst, die mich antreibt in meiner Theologie, sondern tiefes Misstrauen gegenüber einer »hohen«, dogmatischen Christologie, die den Menschen Jesus von Nazaret und seine Reich-Gottes-Botschaft – die ja der Grund und Orientierungspunkt des christlichen Glaubens ist – zum Verschwinden bringt. Denn nur so war es möglich, aus ihm den exklusiven Mittler des Heils zu machen, seine Männlichkeit zu vergötzen und in seinem Namen Menschen vom göttlichen Heil auszuschließen oder sie gar zu verfolgen.

Wenn

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