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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2010
Es reicht!
Sieben Gebote für eine ethische Revolution des Finanzwesens
Der Inhalt:

Allah und die Armen

von Christoph Fleischmann vom 23.07.2010
Christliche und islamische Befreiungstheologie – geht das zusammen? Über eine Begegnung in Schwerte

Die Sätze klingen vertraut: »Die Befreiungstheologie ist eine Theologie, die wie jede Theologie von der Suche nach dem Transzendenten handelt, den Transzendenten aber unter den an den Rand gedrängten Menschen der Gesellschaft sucht. Gott ist zwar ein Gott des gesamten Universums, aber das schließt nicht aus, dass er in der Geschichte für eine Seite Partei ergreift.«

Gott im Angesicht der Armen zu sehen, das gilt als die Urerfahrung der lateinamerikanischen Befreiungstheologie. Der vom Transzendenten unter den Marginalisierten spricht, ist aber kein christlicher Befreiungstheologe, sondern ein Mann, der während seines englischen Vortrags immer wieder den Koran zitiert: Farid Esack, Professor für islamische Studien an der Universität von Johannesburg in Südafrika. Das Zentrum für Komparative Theologie der Universität Paderborn hatte ihn zu Gastvorlesungen nach Ostwestfalen eingeladen und zusammen mit der Katholischen Akademie in Schwerte eine Begegnung mit anderen Befreiungstheologen und deutschen Muslimen organisiert.

Gegen die Apartheid. Farid Esack wuchs als »Nicht-Weißer« im Apartheid-Staat Südafrika auf. In Pakistan absolvierte er eine klassische Ausbildung in islamischer Theologie. In muslimischen Jugendorganisationen engagierte er sich gegen die Apartheid. Kein selbstverständliches Engagement. Viele Autoritäten der muslimischen Gemeinschaft in Südafrika waren zögerlich in ihrem Protest gegen die Apartheid. Wenn man im Koran lese, dass man keine Freunde unter Juden und Christen haben solle, wie gehe man damit um, wenn man im Kampf gegen die Apartheid mit ebendiesen Menschen zusammen kämpfe? »Was soll man von einem Gott halten, der darauf beharrt, dass Nelson Mandela, weil er kein Moslem ist, die Menschen auf Abwege führt?«, fragt Esack kopfschüttelnd. An der Wiege seiner Befreiungstheologie stand also auch eine interreligiöse Erfahrung. Diese Erfahrung eines gemeinsamen Kampfes zusammen mit Andersgläubigen stellt neue Fragen an die eigene Tradition. Antworten hat Esack über exegetische Studien gefunden – formuliert in seinem Buch »Qur’an, Liberation and Pluralism« aus dem Jahr 1997.

Als ein Beispiel nennt Esack die erste Sure, in der es heißt: »Führe uns den rechten Weg, den Weg derer, welche sich deiner Gnade erfreuen – und nicht den Pfad jener, über die du zürnst oder die

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