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Theologen-Demo mit Posaunen

von Bettina Röder vom 24.07.2009
Berlin: Studenten fordern Erhalt des Theologischen Konvikts

»So etwas gibt es bei uns in Dänemark nicht«, sagt Simon Schmidt. »Es wäre total schade um dieses Haus.« Der blonde, 26 Jahre alte Theologiestudent aus Kopenhagen ist mitten im Demonstrationszug von über fünfzig jungen Menschen. In der Sommerhitze, unterwegs mit zwei Posaunen und Gitarren, marschieren sie in schwarzen T-Shirts einmal quer durch das Zentrum von Berlin. Sie tragen ein Transparent. In Rot steht da ihre Forderung: »Für den Erhalt des Theologischen Konvikts«. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein bis heute einzigartiges Domizil mitten im Herzen Berlins. Die Studierenden fürchten das Aus, weil ein Investor absprang und sie von der Kirchenleitung und Bischof Wolfgang Huber seither im Dunkeln gelassen wurden über die Pläne, die es zur Zukunft des Hauses gibt. So haben sie am Ende der Demo der obersten Kirchenbehörde einen Brief übergeben, in dem sie auch noch einmal an die Einzigartigkeit dieses Hauses erinnern.

»In der DDR-Zeit war das Konvikt einer der wenigen Orte des freien Gedankens«, sagt der zwanzigjährige Studentensprecher Max Noak. Wie auch die anderen geht er auf die Straße für ein studentisches Zentrum an ebendiesem historischen Ort. Neben Leipzig und Naumburg war hier die einzige theologische Hochschule, die nicht unter SED-Kontrolle stand. Denn alle drei gehörten der evangelischen Kirche. Theologen wie Richard Schröder haben hier gelehrt; Bundestagsabgeordnete wie Markus Meckel wurden durch das Haus geprägt. Genauer der Freiraum hinter den Backsteinmauern der altehrwürdigen Gebäude mit vier begrünten Höfen und einer Kirche.

Auch heute ist das ein einmaliger Ort, an dem junge Studierende gemeinsam leben. 72 an der Zahl, kommen sie aus aller Welt. In den Etagen mit dem alten Linoleumbelag helfen sie einander beim Lernen, feiern im Hof mit den Eichenbäumen, beten gemeinsam in der Backsteinkirche oder bereiten den Kindergottesdienst vor. Auch die Evangelische Studentengemeinde ist hier untergebracht und natürlich die Golgathagemeinde. Die Nachfrage nach dem Haus ist größer, als es Plätze gibt. Obwohl der Sanierungsbedarf nicht zu übersehen ist. Allein Brandschutzbauten für 600 000 Euro stehen an.

»Die einzigartige Gemeinschaft und historische Bedeutung sind nicht mit Geld zu bezahlen«, sagt Marie Thomsen. Die 24-Jährige aus Hamburg fürchtet wie andere ein

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