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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2021
Ein bisschen unendlich
Was Reisen mit Religion zu tun hat
Der Inhalt:

Junge Alternative
Eine schrecklich nette Familie

von Jan Rübel vom 09.07.2021
Wie wächst man in der AfD? Unser Autor hat sechs Jahre lang drei junge Aktivisten begleitet. Wie die Junge Alternative (JA) chaotisch begann, dann nach rechts rückte und was aus den Kadern der AfD-Jugendorganisation wurde.

Das Buch, mit dem alles anfängt, ist das einzige in einem kahlen Raum. »Deutschland schafft sich ab« heißt der Titel, es liegt auf einem leeren Tisch. Umher weiße Wände, als hätten die Abschaffer mit diesen acht Quadratmetern angefangen. Sie sind das neue Reich eines 17-Jährigen – und der Beginn einer Zeitreise.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 13/2021 vom 09.07.2021, Seite 12
Ein bisschen unendlich
Ein bisschen unendlich
Was Reisen mit Religion zu tun hat

Januar 2015, Potsdam. Jean-Pascal Hohm streicht über den Buchrücken des Bestsellers von Thilo Sarrazin, den er ausgepackt hat: 2010 war das Buch erschienen und etikettierte erstmals in Deutschland Rassismen, Ängste und andere diffuse Gefühle erfolgreich um in »ernsthafte Sorgen«; eine Blaupause für die Partei mit dem blauen Logo, die sich gerade sortiert und für die der Schüler Hohm jobbt als »Mädchen für alles«, wie er sagt, in der AfD-Fraktion des brandenburgischen Landtags in Hilfskraftanstellung. Mit eigenem, anfangs leerem Büro.

Noch dominieren in der AfD marktliberale Funktionäre. Im Osten indes regt sich was. Das liegt an Leuten wie Hohm. Vor einem halben Jahr wurde er zum Gründungsvorsitzenden der Jungen Alternative (JA) Brandenburgs gewählt, der Jugendorganisation der AfD, findet gerade seine politische Sprache gemeinsam mit anderen Mitstreitern in der JA wie Philipp Meyer, Hagen Weiß und Thorsten Weiß. Sechs Jahre lang werden sie sich auf den Weg machen. Es entsteht dieses Protokoll von Märschen in verschiedene Richtungen. Ihre Enden: ungewiss.

»Stimmt alles in dem Buch«, sagt Hohm 2015 in Potsdam. Die Fassade des ein Jahr alten Parlaments, ein Nachbau des alten Stadtschlosses, steht ganz im Stil des friderizianischen Rokokos. Innen kontrastieren die langen, mit Glastüren gesäumten Flure und bienenwabenartigen, funktionalen Büros. Hohm, von dessen gebürstetem Scheitel und stets wie schmunzelnden Augen eine Ruhe ausgeht, gefällt dieses stumme Zwiegespräch zweier Zeiten. »Es erinnert uns an unsere preußische Geschichte rund um Friedrich den Großen und Otto von Bismarck.« Es werde zu wenig an die positiven Etappen der deutschen Geschichte erinnert, sagt er.

Zwei Wochen später tief im Westen: Hagen Weiß sticht etwas missmutig in ein Schnitzel. »Über Jahrzehnte durften die Ostdeutschen kein Wort über Patriotismus verlieren. Dadurch hat sich ein Nachholbedarf aufgestaut, der sich jetzt auch gelegentlich in Übertreibungen äußert.« Weiß ist 22, er sitzt im Bundesvorstand der JA und nutzt die Mittagspause des JA-Bundeskongresses in Bottrop für einen Happen. Er und seine Freunde am Tisch kommen aus Nordrhein-Westfalen. In der JA tobt ein Kulturkampf, ähnlich wie bei der AfD. Die Jungen sind zwar insgesamt konservativer als die Mutterpartei, aber auch hier streiten zwei Flügel: Auf der einen Seite die West-Landesverbände, sie haben die JA gegründet und stehen zu diesem Zeitpunkt an der Seite des konservativen Vorsitzenden Bernd Lucke. Und auf der anderen Seite die Verbände Ostdeutschlands, gemeinsam mit Baden-Württemberg. Aus den Westverbänden Bayern, NRW und Baden-Württemberg kommen zwei Drittel aller Mitglieder. Noch ist die JA in den Händen der »Gemäßigten« wie Hagen Weiß. Aber die Nationalisten planen den Durchmarsch. Der rechte Flügel ist gut organisiert, »da kommt es zum Showdown«, sagt Weiß.

Wiederum zwei Wochen später sitzt ein junger Mann in Berlin im »Bavarian«. Das bayerische Lokal im Keller des Europacenters unweit vom Bahnhof Zoo versucht sich mit holzgetäfeltem Charme gegen den Waschbeton rundum abzugrenzen. Auf den Bundeskongress in Bottrop ist Thorsten Weiß schlecht zu sprechen. Der 31-Jährige, nicht mit Hagen Weiß verwandt, ist JA-Landeschef in Berlin. Der ehemalige Offizier in der Bundeswehr studiert Betriebswirtschaftslehre – und in Bottrop wollte er eigentlich zum Vize-Vorsitzenden gewählt werden; als Schüler war er mal in der Jugendorganisation der CDU. In Bottrop hatten die »Gemäßigten« noch knapp die Oberhand behalten und einen der Ihren als neuen JA-Chef durchgesetzt. Nach dessen Wahl hatte Thorsten Weiß die eigene Kandidatur zurückgezogen. »Ich kenne den Neuen ja nicht.« Er streicht sich über den gepflegten Dreitagebart. Auf eine Partei wie die AfD, sagt er, habe er lange gewartet.

»Wir schießen dich ab!!!«

Den Kalender weitergedreht, ein weiteres Mal zwei Wochen später, kommt der Wendepunkt für die JA, und auch für die AfD. Parteichef Bernd Lucke missfallen Ton und Inhalte bei der JA, ihre lauten Parolen und steten Versuche, Grenzen des angeblich Sagbaren zu verschieben. Er bevorzugt eine Jugendorganisation, die nicht nach rechts ausschert; eben braver ist. Am 12. Februar 2015 steigt er gemeinsam mit Parteifreund Bernd Kölmel in Offenburg in den ICE in Richtung Hamburg-Altona. Beide sind Abgeordnete der AfD im Europaparlament, sie kommen gerade von einer Sitzungswoche in Straßburg. Im Bordrestaurant haben sie eine Verabredung mit dem neuen JA-Chef Philipp Meyer und seinem Vize Hagen Weiß sowie zwei anderen JA-Aktiven.

Eigentlich geht es um die Anerkennung als offizieller Jugendverband der AfD, doch Lucke erkundigt sich nach dem Rechtsruck. Weiß macht ihm den Vorschlag einer Ausgründung. Meyer dagegen fühlt sich überrumpelt, distanziert sich davon. »Lucke und Kölmel haben eine Neugründung begrüßt«, wird Weiß später sagen, »aber gemeint, wir sollten diesen Plan noch mit Vertretern anderer Parteiflügel wie Frauke Petry und Marcus Pretzell besprechen.« Philipp Meyer erreicht Petry und Pretzell am nächsten Tag zuerst und erzählt von der Zugfahrt. Es macht die Runde.

Am 18. Februar 2015 schreiben mehrere Landesvorsitzende der JA, unter ihnen Jean-Pascal Hohm für Brandenburg und Thorsten Weiß für Berlin, einen offenen Brief. Philipp Meyer sei, heißt es dort, von Hagen Weiß und den JA-Aktiven hinter- und übergangen worden. Bei der JA kocht es. Hagen Weiß erhält einen Brief, einen anonymen: »Du scheiß Zug-Verräter!!! Tritt sofort zurück und verschwinde aus der AfD, du dreckiges Vieh! Lass dich nie wieder blicken und wenn du auf den nächsten Bundeskongress gehst, schießen wir dich ab!!!«

Weiß erstattet Anzeige. Und tritt aus der JA aus. Als Nächstes wird auch der Bundesvorsitzende Meyer demontiert. In einem »Kommuniqué der arbeitenden Mehrheit im Bundesvorstand« heißt es, ihm fehle die »nötige Entscheidungsstärke«. Für die JA wird das Jahr 2015 zur Zäsur. Die ersten drei Bundesvorsitzenden verlassen die JA aus inhaltlichen Gründen, und mit ihnen fünfzig Prozent der Gründungsmitglieder.

Zwei Jahre später muss Hohm überlegen, wie er aus der brandenburgischen Provinz wieder wegkommt. Er steht am leeren Bahnsteig eines 10 000-Einwohner-Ortes und will ins nördlich gelegene Potsdam, wo er Volkswirtschaftslehre studiert – mit dem Auto wäre es keine halbe Stunde, doch die Bahn fährt dreimal so lang übers nordöstlich thronende Berlin. »Ich mag die Landluft, die Ruhe. In der Stadt denaturiert man, wird dekadent«, sagt er. Er kommt von einem JA-Stammtisch.

Der Sieg der Liberalen in der JA auf dem Bundeskongress im Januar 2015 erscheint im Rückblick wie ein letztes Strohfeuer. »Lichtjahre ist das her«, sagt Hohm. Die »national orientierten« Verbände gewannen immer mehr Zulauf, allen voran die ostdeutschen; sie setzten eine Satzungsänderung durch, nach der sie selbst entscheiden, wen sie aufnehmen – und nicht der Bundesverband. Damit werden für rechte Aktivisten wie Burschenschaftern die Türen geöffnet. »Vor zwei Jahren hätte ich gesagt, dass wir eine liberal-konservative Jugendorganisation sind«, sagt Hohm, als er schließlich in den Zug steigt. »Heute sage ich ohne Problem: Wir sind rechts. Es geht auch um die Rückeroberung eines Begriffs.« Das klingt nicht nur militärisch, sondern auch handlich, fassbar.

Mit Deutschland erst mal fertig ist Hagen Weiß. Es ist Juni 2017. »Ich lebe jetzt in Mexiko, die Heimat meiner Ehefrau«, sagt er, das Gespräch findet per Skype statt. Dort arbeitet er im Vertrieb einer britischen Hightech-Firma. »Man hielt meine Frau in Deutschland für eine Türkin oder Araberin, bei der Wohnungssuche hatten wir aufgrund von Vorurteilen gegenüber Ausländern Probleme«, erläutert er. Irgendwann reichte es. Weiß erinnert sich an die Zugfahrt im Februar 2015. »Es war kein Verrat«, sagt er. »Wir waren ein Verein und mussten uns gegen Leute wehren, die demokratie- und verfassungsfeindlich auftraten.« Jetzt braucht er Abstand. Stürzt sich in die Arbeit und in eine neue Heimat.

Derweil schickt die AfD ihre Kader weiter die Parteistufen hinauf. Es ist Februar 2019. Thorsten Weiß steht vor elf besetzten Tischen eines »Jugoslawischen Grillhauses« in Berlin-Reinickendorf und erklärt, warum er nach Straßburg ins Europäische Parlament will. »Diese Institution muss möglichst schnell abgeschafft werden«, sagt er heiser. Er ist jetzt 35. Der Wahlkampf legt sich auf seine Stimmbänder, hier bei einem AfD-Stammtisch: Weiß ist Kandidat mit Listenplatz 14. Auf das Europäische Parlament ist er nicht gut zu sprechen; der Sitzungssaal dort sei voller abgenutztem und abgewetztem Kunstleder, »vielleicht gibt das wieder, was von dieser Institution zu halten ist«. Institution. Er benutzt dieses Wort oft. Es drückt eine Ferne aus. Im Restaurantsaal hier sitzen die dreißig Zuschauer auf dickem, rotem Stoffpolster. Weiß beginnt eine Tour durch die Angstwelt der AfD, berichtet von »Opfern wegen Werteverfall und zunehmender Migration«, klagt, »dass gerade deutsche Kinder Mobbingopfer werden«. Am Nebentisch bestellt ein Mittfünfziger ein Helles. »Ein Pils?«, fragt der Kellner. »Ich will ein Helles!«, zischt der Mann und seufzt.

»Es geht drunter und drüber«

Weiß ist Berufspolitiker geworden. Das Studium ruht. »Es geht um das große Projekt«, sagt er, als er später am Abend das Lokal verlässt, »vieles ist im Werden. Wenn Deutschland und Europa gerettet sind, schau ich mich beruflich weiter um.«

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Einer ist erst mal weg, zumindest von der Bildfläche. Hohm meldet sich nicht mehr. »Das war fehlendes Fingerspitzengefühl«, sagt Weiß über ihn diplomatisch. Was war passiert? Hohms Stelle bei einem Bundestagsabgeordneten: hat er gekündigt. Sein Beisitzerposten im Kreisvorstand Cottbus: niedergelegt. Die Gründe: Zuerst nennt ihn ein Gutachten des Bundesverfassungsschutzes zu extremistischen Bestrebungen mehrfach. Die Agenten bescheinigen ihm eine Nähe zur Identitären Bewegung, zu rechten Burschenschaften. Und sie registrieren seine rechtsextremen Töne in den sozialen Medien; eine toxische Mischung. Dann berichtet der Berliner Tagesspiegel über einen Besuch Hohms im Oktober 2018 bei Rechten in Italien. Ein Foto aus den sozialen Netzwerken zeigt ihn mit einem Aktivisten der Bewegung Casa Pound bei Rom; Verfassungsschutz in Berlin, Neonazis in Rom – alles ein bisschen viel für den 21-Jährigen. Er meldet sein Profil bei Facebook und Twitter ab. Die kommenden Monate bleibt er unerreichbar.

Der Ausbruch von Covid-19 ab Frühling 2020 erwischt die AfD kalt, denn für eine Oppositionspartei ist schwer zu punkten, wenn die Stunde der Exekutive schlägt, es herrscht Pandemiemanagement. Und das Vertrauen in die Kanzlerin auf Abruf, die unter AfD-Anhängern nicht gerade wohlgelitten ist, wächst in der Bevölkerung. Im Sommer verschanzt sich das Berliner Abgeordnetenhaus. Wegen der Corona-Pandemie hängt ein weißer Zettel am Portal: »Für externe Besucher nicht zugänglich.« Mithilfe von Thorsten Weiß geht es doch noch hinein, bei der Europawahl vor einem Jahr reichte sein Listenplatz nicht aus, nun residiert er weiterhin unterm Dach des ehemaligen Preußischen Landtags.

Weiß plagen Sorgen: Die Fraktion ist zerstritten, es hagelt Misstrauensanträge. »Es geht drunter und drüber«, seufzt er, mittlerweile 37, über die Kabalen. »Im Wesentlichen von Machtfragen getrieben« sieht er die Konflikte zwischen den »Sozialpatrioten« wie ihm und den »Marktliberalen«. »Bei uns in der Fraktion gab es nie Auseinandersetzungen strömungspolitischer Natur.« Im Regal steht die »Bismarck-Medaille«, eine Auszeichnung, die Weiß von Björn Höcke erhielt – der Landesvorsitzende Thüringens ist die schillerndste Figur des mittlerweile aufgelösten »Flügels« in der AfD, und Weiß war dessen »Obmann« in Berlin; wo Weiß wohnt, hatten Unbekannte 2017 an die Hauswand gesprüht: »Hier wohnt der Faschist Thorsten Weiß.« Das habe er nicht publik gemacht: »Hab ein dickes Fell.«

Und plötzlich, bei einem Routineanrufversuch, meldet sich Jean-Pascal Hohm. »Ich bin wieder da«, scherzt er. Klar, man könne sich treffen. Am Bahnhof Friedrichstraße setzt er sich an einen Cafétisch. Genügend Gras ist über sein Untertauchen vor eineinhalb Jahren gewachsen. »Es war eine Kurzschlussreaktion«, fasst er zusammen. »Es gab so viele Anrufe und Anfragen, da fragte ich mich, was das alles wert ist.« Er habe Ruhe gewollt, sitze immer noch an seinem Studium, jetzt Rechtswissenschaften, und arbeite als Mediengestalter für die Partei und für Unternehmen; mittlerweile leitet er das Wahlkreisbüro eines Landtagsabgeordneten. Er ist 23.

»Das Selfie war dumm und naiv«, erinnert er sich an das Foto mit Casa Pound. »Deutsche Kameraden in Ostia« hatte der es auf Instagram betitelt. »Es war keine politische Reise, sondern ein Pärchenurlaub«, sagt er. In einer Strandbar habe ihn einer der italienischen rechten Aktivisten getroffen, »ich hatte ihn nicht kontaktiert, kannte ihn auch vorher nicht. Wir haben mit dem Typen einen Aperol Spritz getrunken, und das war’s.«

Er rührt in seinem Cappuccino. Sein Lebensschwerpunkt ist nun Cottbus, »da ist es ruhiger, man grüßt sich auf der Straße – in Potsdam dagegen nicht«. Grüßt er denn alle, etwa auch einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe? »Nein, ich gehe davon aus, dass er mich nicht versteht, weil er Ausländer ist.« Das sei ein Gefühl. Er gehöre nicht zur »natürlichen Gemeinschaft«.

Einen Ostfriesen, fern der niederlausitzschen »Gemeinschaft«, würde er den grüßen?

»Der ist doch Deutscher.«

Und einen Deutschen mit schwarzer Hautfarbe, der in Cottbus geboren ist?

»Ich kann doch nicht erkennen, ob er vielleicht doch hier geboren ist und meine Sprache spricht.«

Er stockt. Jeder Mensch sei doch in einem gewissen Maß oberflächlich, sagt er, Vorurteile seien auch notwendig, um sich zu schützen. Manchen Leuten gibt Hohm einfach keine Chance. »Ja, das ist hart, aber bei uns gibt es eine Grundskepsis. Wir haben keine positiven Erfahrungen mit Migranten, vor 2015 gab es ja keine.«

Hohm wurde als »Nachwuchshoffnung« der AfD beschrieben. Nun dränge er nicht mehr nach vorn, sagt er. »Es geht zwar in meine Richtung«, sagt er über die Entwicklung seiner Partei. Dass indes viele intellektuelle Köpfe die AfD verließen, schmerze. 2015 habe er noch etwas verändern wollen, »heute aber gibt es keinen Wettstreit der Argumente mehr, nur noch Anfeindungen, eben Links gegen Rechts«. Dabei wisse er gar nicht mehr, ob er sich als »klassisch rechts« bezeichnen würde. Das bedingungslose Grundeinkommen zum Beispiel, das fände er gut. Er klingt müde. Und als ob ihm die schnellen Antworten abhandenkommen könnten. Als er aufsteht, sagt er, vielleicht werde er doch demnächst einmal einen Schwarzen auf der Straße grüßen. Hohms politische Entwicklung der vergangenen fünf Jahre mäandert, tritt hier und da über die Ufer, ist unstet.

Die Verhärtungen, welche die AfD nach oben brachten, haben Folgen. Junge Erwachsene wie Hohm und Thorsten Weiß, denen es an Selbstbewusstsein und Transparenz nicht mangelt, hinterfragen langsam das Dauergeschrei der Partei – Thorsten Weiß auf der Bühne mit Blick nach vorn, Hohm mehr im Maschinenraum. Und Hagen Weiß will von politischem Aktivismus nichts mehr wissen. Drei Personen, und keine von ihnen politisch wirklich glücklich.

Langsam geht es nach vorn. Im April 2021 wird Hohm zum Vorsitzenden des Cottbusser Kreisverbands gewählt. »Eigentlich gehe ich sehr positiv durchs Leben«, sagt er. »Aber in den Parteien gibt es machttaktische Spiele. Da hat sich bei mir eine Grundskepsis gegenüber Menschen entwickelt.« Ähnlich schreibt es Thorsten Weiß, für die Wahl zum Abgeordnetenhaus im September ist er auf den siebten Listenplatz nach vorn gerutscht; 2016 war er auf Platz 9: »Ich habe mir im Laufe der Jahre ein sehr dickes Fell zugelegt. Das ist im Kampf mit dem politischen Gegner und auch innerhalb der eigenen Partei fast schon überlebenswichtig. Politik ist ein hartes Geschäft.« Fell. Kampf. Geschäft. Und nicht wenig Verschleiß.

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