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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2017
Wem gehört die Welt?
Einblicke in die Machtverhältnisse des globalen Kapitalismus
Der Inhalt:

Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Liebe Bewerberin für den Vorstand,

vom 07.07.2017

leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir Ihre Bewerbung bis 2020 nicht berücksichtigen können. Selbstverständlich hat diese Absage nichts mit Ihrer Qualifikation zu tun. Sie erfolgt aus rein formalen Gründen. Nach langen Diskussionen haben die Gesellschafter unseres Unternehmens Regeln für die Besetzung des Vorstandes festgesetzt. Dazu zählt aus Gründen der aktuellen Diskussion auch die Frage der Frauenquote. Hier haben sich die Gesellschafter einstimmig auf eine Frauenquote von null Prozent bis 2020 geeinigt. Das wichtigste Argument war, dass der bisherige Erfolgskurs unseres Unternehmens, das vor allem von Kontinuität und Beständigkeit lebt, unbedingt fortgesetzt werden soll. Und wir hatten noch nie eine Frau im Vorstand.

Die Entscheidung für die Frauenquote von null Prozent beruht aber auch auf dem neuen »Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst« (FührposGleichberG). Es verpflichtet uns dazu, eine Frauenquote für den Vorstand festzulegen. Der Pferdefuß bei dieser Quote ist jedoch, dass wir sie nach dem neuen Gesetz nie wieder unterschreiten dürfen, wenn diese Quote unter dreißig Prozent liegt. Mit null Prozent liegen wir da einfach auf der sicheren Seite.

Denn stellen Sie sich vor: Wir stellen eine Frau ein, und sie gibt ihre Karriere zugunsten der Familie auf oder weil sie sich in einer reinen Männerdomäne nicht wohl fühlt. Dann stehen wir da mit unserer Quote. Wir müssen dann ja unbedingt wieder eine Frau suchen. Sie können sich sicher ausmalen, wie schwierig es ist, neue geeignete weibliche Bewerber zu finden – nur wenige Frauen haben Erfahrung in Führungspositionen. Das ganze Unternehmen stünde vor dem Abgrund.

Dennoch möchte ich Sie angesichts Ihrer Führungsqualifikationen bitten, uns nicht aus den Augen zu verlieren. Denn unsere weitsichtigen Gesellschafter haben festgelegt, dass über die Frauenquote in unserem Vorstand 2020 neu beraten werden soll. Wenn Sie sich bis dahin verfügbar halten, werden Sie durchaus Chancen haben, sollte es doch einmal so weit kommen, dass wir eine Frau in unseren Vorstand lassen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Albanus Altmann, Magister Artium,
Vorstandsvors

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