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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2014
Wie kommt Gott ins Gehirn?
Die Erkenntnisse der Wissenschaft
Der Inhalt:

Kolumne Von Fabian Vogt: Du packst das!

vom 11.07.2014

Ich liebe es zu verreisen. Aber ich hasse es zu packen. Obwohl, nein. Ich hasse es eigentlich nur, wenn meine Frau packt. Sie ist nämlich der lebende Beweis dafür, dass Fürsorge den Verstand überwältigen kann. Wenn ich meine Frau frage: »Was von den zahllosen Dingen, die wir besitzen, brauchen wir im Urlaub?«, dann lautet ihre Standardantwort: »Alles. Denn wenn wir es nicht bräuchten, besäßen wir es ja nicht.«

Im Normalfall läuft das bei uns so ab: Ich packe den Koffer für den Sommerurlaub – wofür ich etwa zehn Minuten benötige. Meine Frau kommt rein, lacht hämisch über mein bescheidenes Häuflein luftiger Klamotten und fragt: »Und was ist, wenn es friert?« Worauf ich verdattert stottere: »Ende Juli, auf Mallorca?« Was meist dazu führt, dass sie eine mir gänzlich unbekannte Kasseler Verwandte aus dem Ärmel zaubert: »Tante Agathe hat sich mal auf Malle eine Grippe eingefangen, an der sie fast gestorben wäre.« Und – schwupps – liegt unsere Thermo-Ski-Unterwäsche auch noch da. Und ein Wollpulli. Und dicke Socken. Und die Schneeschuhe. Man kann ja nie wissen.

So ein neckischer Ehekrach vor Beginn des Urlaubs gehört bei uns fast schon zum Reiseprogramm. Ja, mir würde was fehlen, wenn es angesichts überquellender Koffer nicht zu einem zünftigen Streit käme. Doch dieses Jahr war es besonders tragisch. Wir dürfen nämlich als Familie ausnahmsweise drei Monate verreisen. Sabbatical heißt das auf Hochdeutsch – oder etwas akademischer: Studienurlaub. Und ich fand, das wäre doch eine gute Gelegenheit, uns mal zu beweisen, wie man auch mit wenigen Dingen überleben kann.

Zudem fliegen wir unterwegs eine Strecke mit einer Fluglinie, bei der man maximal 15 Kilo Gepäck mitnehmen darf. Jedes weitere Kilo kostet so viel wie ein mittelalterlicher Kleinstaat. Also hängte ich in unserem Packzimmer mehrere riesige Plakate mit der Zahl »15« auf. An jede der vier Wände, sodass meine Frau später nicht behaupten konnte, sie hätte diese kleine Einschränkung übersehen. Und nachts tat ich so, als würde ich im Schlaf sprechen, und murmelte: »Fünfzehn. Fünfzehn. Fünfzehn.«

Glauben Sie, das hätte was gebracht? Was stand am nächsten Tag in Reih und Glied vor ihrem Koffer? Sechs Paar Schuhe! »Ich brauch die alle«, erklärte sie. »Ein Paar für die Stadt, ein Paar für den Strand, ein Paar zum Wandern, ein Paar für schick, ein Paar zum Joggen –

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