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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2013
"Wir brauchen einen toleranten Islam"
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Der Inhalt:

Pflegeheim-Monopoly

von Barbara Tambour vom 12.07.2013
Plötzlich werden große Heime interessant für Investoren

Auf der Suche nach vermeintlich sicheren und lukrativen Objekten entdecken Investoren zunehmend die Pflege. Vor einem Pflegeheim-Monopoly warnt deshalb Alexander Künzel, Vorstandsvorsitzender der Bremer Heimstiftung. Investoren kauften Pflegeheime teils im großen Stil. »Große Kapitalfonds stecken Millionen in die Pflege, Tranchen von 10 000 Betten wurden jüngst an eine französische Kette weiterverkauft«, erläutert Künzel. Damit werde die Pflege zu einem Teil von Immobilienspekulation und entferne sich von dem, was die Gesellschaft an Pflege brauche.

Seine Einschätzung deckt sich mit den Empfehlungen, die etwa die Unternehmensberatung Aschenbach ihren Kunden gibt: »Deutschland ist ein hochattraktiver Markt für ausländische Betreibergruppen«, heißt es in einem Papier des Starnberger Unternehmens vom April 2012. Die großen deutschen Pflegeheimbetreiber streben laut Aschenbach an die Börse oder in die Hände multinationaler Finanzinvestoren. Da nahezu alle großen und mittelgroßen Betreiber wachsen wollten, sei die Ausgangssituation für kleine und mittelgroße Betreiber, die an Verkauf dächten, gut.

Genau davor warnt Künzel: Städte und Landkreise, die ihre Pflegeheime verkauften, verlören den Einfluss darauf, was in den Einrichtungen passiere. Pflegeheime mit 200 Betten – mitten im Industriegebiet – seien teils die Folge, wenn man den Neubau dem Investor überlasse.

Zudem sei das Konzept »Ausbau von stationären Pflegeplätzen« alles andere als zukunftssicher: »Demografischer Wandel heißt zwar, dass wir in den nächsten Jahrzehnten wahrscheinlich mehr Pflegebedürftige haben werden. Doch gleichzeitig werden wir auch weniger Berufstätige in den Pflegeberufen haben«, legt Künzel dar. Wer Heime baue, müsse sich überlegen, wer darin arbeiten solle. Doch die Sicht der Investmentbranche auf die Pflege sei eben einseitig fokussiert auf Immobilien und Betten.

Für den Pflegeheim-Experten Künzel heißt das Pflegekonzept der Zukunft erstens »Klasse statt Masse«: Wenige sehr gute Pflegeheime, insbesondere für schwere Pflegefälle oder besondere Lebenslagen. Zweitens »Quartier statt grüne Wiese«: keine Heime in Industriegebieten, keine Kreisaltenheime auf der grünen Wiese, sondern mitten im Stadtteil. Drittens favorisiert der Bremer das Prinzip »Netzwerk statt Käseglocke«: Durch Arzt- und Therapiepraxe

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