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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2012
Satte Geschäfte
Wie Spekulanten Hunger machen
Der Inhalt:

»Du schaffst es nicht? Tschüss!«

von Asmus Hess vom 04.07.2012
Flüchtlinge, Obdachlose, Langzeitarbeitslose: Wie denken die Deutschen über Minderheiten und Schwächere? Fragen an den Sozialwissenschaftler Wilhelm Heitmeyer

Knapp 53 Prozent der Deutschen glauben, Langzeitarbeitslose seien gar nicht interessiert daran, einen Job zu finden. 47 Prozent sagen, dass zu viele Ausländer in der Bundesrepublik leben. 38 Prozent finden Obdachlose unangenehm. 25 Prozent finden es ekelhaft, wenn sich Homosexuelle in der Öffentlichkeit küssen. Fast 23 Prozent sind der Ansicht, dass Muslimen die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte. 13 Prozent sagen, die Juden hätten zu viel Einfluss: Ergebnisse der Studie »Deutsche Zustände«, für die Sozialwissenschaftler der Universität Bielefeld zehn Jahre lang die Einstellungsmuster der Deutschen gegenüber Minderheiten untersucht haben. Die Studie gilt als weltweit größte ihrer Art, 23 000 Personen wurden insgesamt befragt.

Herr Heitmeyer, Sie beobachten einen Anstieg von Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und der Abwertung von Obdachlosen und Langzeitarbeitslosen. Woher kommt der?

Wilhelm Heitmeyer: Diese Gruppen sind aufgrund des inzwischen weit verbreiteten ökonomistischen Denkens stärker in den Fokus geraten. Sie passen nach den Kriterien von Verwertbarkeit, Nützlichkeit und Effizienz nicht in das neoliberale Weltbild, das sich leider durchgesetzt hat. Kapitalistische Kategorien wie Nützlichkeit und Verwertbarkeit haben die ökonomische Sphäre längst verlassen und sind sogar in die zwischenmenschlichen Beziehungen eingesickert.

Mehr als die Hälfte der Deutschen glaubt, Langzeitarbeitslose wollten nicht wirklich arbeiten. Ist das auch ein Ergebnis der medialen Berichterstattung über beispielsweise »Florida-Rolf«, den die »Bild« als arbeitsscheuen Sozialschmarotzer vorführte?

Heitmeyer: Wenn Geschichten wie die von »Florida-Rolf« über die Medien verbreitet werden, hinterlassen sie irgendwann Verarbeitungsspuren im Denken der Menschen. Das gilt im Übrigen auch für den Neoliberalismus. Die Einsicht, dass uns deswegen der Laden um die Ohren fliegen kann, wird inzwischen ja auch wieder von einigen Eliten geteilt: Das geht von den Konservativen in Großbritannien bis zu Frank Schirrmacher in der FAZ. Aber in der Bevölkerung ist fest implementiert: Du musst dir selbst helfen. Und wenn du das nicht schaffst: dann Tschüss.

Nach Ihrer Untersuchung haben mehr als neun Prozent der Deutschen ein genuin rechtspopulistisches Weltbild. Wird der Rechtspopulismus bei uns noch von der

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