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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2018
Streit ums Abendmahl
Der Ökumene droht der Totalschaden
Der Inhalt:

Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Sehr geehrter Herr Pfarrer Ratlos,

vom 22.06.2018

wir lesen ja heute immer und überall: »Helfen Sie uns, besser zu werden. Bewerten Sie unser Produkt.«

Nun bieten wir Ihnen die einmalige Möglichkeit, solche Bewertungsmöglichkeit auch in Ihrer Gemeinde einzurichten. Denn wir wissen ja alle nur allzugut, dass Ihnen die Sorge um die sinkende Zahl von Gottesdienstbesuchern so manche Stunde Schlaf raubt.

Früher hatten Sie – Sie werden sich mit Tränen in den Augen daran erinnern – regelmäßig nach dem Gottesdienst Zeit, mit Ihren Schäfchen ins Gespräch zu kommen. Und natürlich haben Sie dabei erfahren, wie Ihre Predigt angekommen ist. Durch die neuen Großgemeinden sind Sie zum reisenden Pfarrer geworden, der keine Zeit mehr hat für solche Begegnungen.

Um Ihnen dennoch mehr Kommunikation mit Ihren Gottesdienstbesuchern zu ermöglichen, möchte ich Ihnen nun meine revolutionären Erfindungen vorstellen. Die erste davon sind unsere Drehkreuze, durch die man die Kirche künftig betritt und sie verlässt. Wir können diese Drehkreuze so einstellen, dass sie nach dem Gottesdienst nur aufgehen, wenn der Besucher eine Zahl auf der Bewertungsskala von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) als persönliche Einschätzung der Predigt anklickt.

Das ist nicht die einzige Innovation, die ich Ihnen vorstellen kann. Wir haben auch ein Gerät entwickelt, mit dem sich jede Besucherin und jeder Besucher während des Gottesdienstes über Ihre Predigt äußern kann. Eine Ampelanlage im Rückraum der Kirche signalisiert Ihnen die Zustimmung oder Ablehnung bestimmter Passagen der Predigt, noch während Sie diese halten. Die Farbe Rot bedeutet: »Nein, jetzt spricht der Teufel aus Ihnen«, die Farbe Gelb meint: »Achtung, Sie wandeln auf gefährlichem Pfad.« Und Grün meint: »Nur weiter so.« So können Sie noch während Ihrer Predigt auf das Urteil Ihrer Gläubigen reagieren.

Unsere Erfahrung mit diesen neuen Techniken ist positiv: Die Menschen fühlen sich wieder ernst genommen. Pilotversuche in Gemeinden haben gezeigt, dass die Menschen auch deshalb in die Kirche kommen, um dem Pfarrer mal ihre Meinung zu vermitteln. Die Stimme des Volkes in der Kirche, sie wird wieder gehört. Und Pfarrer, die während ihrer Predigt stoisch bei ihrer Überzeugung bleiben, gehören endgültig der Vergangenheit an.

Ihr Benediktus Wahrheit

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