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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2015
Rettet diese Welt!
Die Umwelt-Enzyklika: Papst Franziskus und sein politischer Sonnengesang
Der Inhalt:

In der Mucki-Bude des Glaubens

von Thomas Seiterich vom 26.06.2015
Erstmals seit der Spaltung 1969 nähern sich Pietisten und Kirchentag an

Uns bläst der Zeitgeist ins Gesicht, doch wir fallen nicht um. Nein: Der Gegenwind ist die Mucki-Bude der Gemeinde Jesu!« Markige Worte ruft Volker Gäckle, der bullige Rektor der Internationalen Hochschule Bad Liebenzell, in die Stuttgarter Porsche Arena. Der Theologe ist der Hauptredner des »Christustages«, den Württembergs Pietisten veranstalten. Glaubensgewiss verändern sie das Kirchentags-Motto »Damit wir klug werden« in: »Dein Wort macht mich klug!« Die mit mehr als 6000 Pietisten besetzte Arena kocht vor Begeisterung bei Volker Gäckles evangelikaler Durchhaltepredigt. Zuvor haben Bandleaderin Judy Bailey sowie die Bläser des Evangelischen Jugendwerks eingeheizt und die frommen Schwaben zum Mitklatschen und Mittanzen gebracht.

Prediger Gäckle nimmt die Bibel wie einen Tatsachenbericht. Er erzählt aufrüttelnd die Nöte des Völkerapostels Paulus nach, den arroganten Griechen und Römern die Botschaft vom Kreuz zu verkündigen. Gäckle will Treue und Nachfolge, keine volkskirchliche Liberalität. Schon gar nicht die Schaun-wir-mal-Mentalität heutiger spirituell suchender Schon-fast-nicht-mehr-Christen. Gäckle ruft: »Im Licht des Kreuzes ist der Gegenwind das Fitnesscenter des Glaubens!« Der Widerspruch der säkularen, religiös liberalen Mehrheitsgesellschaft ist für ihn Auszeichnung und Ansporn.

Kirchenpolitisch rechtsaußen agiert der Christustag, als er sich mit den »Messianischen Juden« solidarisiert. Der Kirchentag hat einen Stand dieser evangelikalen Juden-Missionierer untersagt, weil das Gros der evangelischen Kirche nach den Erfahrungen des Holocausts sowie jahrhundertewährender Juden-Zwangsmission die Missionierung von Juden, dem Volk des Ersten Bundes mit Gott, für theologisch und politisch falsch erachtet. Ganz anders die Theologin Dorothee Gabler von der Missionsschule Unterweissach. Und Anatoli Uschomirski, ein jüdisch-messianischer Pastor, protestiert unter dem Beifall der Pietisten gegen die »Ausgrenzung« durch die Leitung des Kirchentags.

Wer wie viele Evangelikale den Glauben engführt zu einer ausschließlichen, persönlichen Jesus-Christus-Beziehung, gerät als »Wahrheitsbesitzer« leicht in die Gefahr, den jüdischen Glauben an den einen Gott als nicht vollständig zu missachten.

Weshalb suchte der Kirchentag trotzdem die Nähe zu den Pietisten – er

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