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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2013
Fernweh trifft Wirklichkeit
Wie fair kann Tourismus sein?
Der Inhalt:

»Der christliche Glaube hat sich ständig verändert«

von Johanna Jäger-Sommer vom 28.06.2013
Jesus steht im Zentrum. Aber was Christsein sonst noch heißt? Alles im Fluss! Fragen an den Reformer Günter Hegele

Herr Professor Hegele, die Evangelische Akademikerschaft in Deutschland bemüht sich um eine Reform theologischer Glaubensaussagen. Die sind aber über viele Jahrhunderte hin entstanden. Kann man sie so einfach reformieren, ohne das ganze Glaubenssystem zu zerstören?

Günter Hegele: Der christliche Glaube hat sich von Anfang an ständig verändert. Geschieht so etwas von selbst? Oder tragen dazu bestimmte Persönlichkeiten wie Paulus, Luther oder Hans Küng bei? Wir finden, dass diese Veränderungen zur Kenntnis genommen und geprüft werden sollten. Auch für den Glauben unserer Mitglieder war es eine Prüfung, dass wir uns fragten: Wie verstehen wir Glauben heute? Und nun beginnen wir, eigene Vorstellungen zu formulieren und zur Diskussion zu stellen. Neue Formulierungen, die wir befürworten, wollen wir unterstützen und dafür werben, dass sie von Christen, aber auch von Nichtchristen verstanden und angenommen werden.

Haben Sie einen Maßstab, an dem Sie sich ausrichten, um die Kontinuität des Glaubens zu garantieren?

Hegele: Bei dieser Diskussion von Kernfragen des Glaubens fragen wir auch nach Maßstäben. Ein Kriterium haben wir schon formuliert: Das ist die Orientierung an Jesus als dem Gründer und Ausgangspunkt des christlichen Glaubens. Wobei aber auch deutlich werden muss, dass es unterschiedliche Verständnisweisen dieser Person des Jesus Christus oder des Jesus von Nazaret gibt. Es geht uns aber nicht in erster Linie um Kritik am Bisherigen, sondern wir möchten sehen, wie man einerseits die Inhalte der Tradition neu interpretieren und formulieren kann. Und andererseits suchen wir nach neuen Formen, die »kompatibel« sind mit den bisherigen wesentlichen Aussagen des Christentums. Aber sicher wird dabei dann Bisheriges, wie zum Beispiel die wörtliche Interpretation der Bibel, in den Hintergrund treten und neue Formen, für die es noch keine endgültigen Kriterien gibt, in den Vordergrund.

Welche Beweggründe hatten Sie, diesen Reformprozess zu wagen?

Hegele: Wir haben bei uns selber bemerkt, dass die herkömmlichen Glaubensaussagen nicht mehr recht in diese Welt passen. Und wir nehmen bei anderen wahr, dass sie sich auf Distanz zur Kirche begeben, dass sie Kritik am Glaubensbekenntnis üben und unsicher sind, wie heute zum Beispiel überhaupt von Gott geredet werden kann.

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