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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2013
Fernweh trifft Wirklichkeit
Wie fair kann Tourismus sein?
Der Inhalt:

Die Bibel und die Vernunft

vom 28.06.2013

Zu: »Angst vor der Aufklärung« (10/13)

Mir hat die kritische Exegese als jungem Schüler – vor etwa fünfzig Jahren – eine große Befreiung gebracht: Im Religionsunterricht erklärte unser Religionslehrer, dass es den Autoren der Bibel nicht darum geht, zu erklären, wie die Welt entstanden ist, sondern dass Gott gegenwärtig ist. Warum gibt es den Tod? Warum gibt es Schuld, warum ist Israel, das Volk Gottes, in die babylonische Gefangenschaft geschickt worden? Jede Bibelstelle hat ihren »Sitz im Leben«, aus dem heraus sie geschrieben ist und der heute anders sein kann als damals. Das gibt der Bibel ihre große Farbigkeit. Für mich war das eine so grundlegende Erkenntnis, dass ich seither kein Problem mehr damit habe, Glaube und Wissenschaft zu vereinbaren. Deshalb erscheint mir die jetzige Debatte – etwa von Klaus Berger, der jetzt offenbar meint, besonders katholisch werden zu müssen – vorgestrig. Ich mache sehr gerne Bibelteilen oder auch Bibliodrama, lasse die Worte des Evangeliums unvermittelt und ohne Hintergrund-Erklärungen auf mich wirken, spüre, dass Gott zu mir sprechen will. Das geht, weil ich weiß, dass man Gott nicht beweisen muss, sondern an ihn glauben darf.

Wolfgang Lohmiller,Bad Saulgau

Diese Angst ist so alt wie die Offenbarungsreligionen jüdischer, christlicher und islamischer Prägung. Diese fürchten nämlich nichts so sehr wie die Aufklärung über ihre tatsächliche Herkunft. Dabei handelt es sich jeweils um eine ganz normale, das heißt menschliche Entstehungsgeschichte. Es sind Menschen, die ihre Glaubensvorstellungen entwickeln, an andere weitergeben und schließlich in einem Schriftwerk zusammenfassen. Nur erscheint dies für eine Offenbarungsreligion als die am wenigsten geeignete Grundlage, um sich die Autorität zu verschaffen, die sie für eine dauerhafte Sicherung ihrer Existenz benötigt. Sie ist nun einmal der Überzeugung, dass nur eine Religion göttlichen Ursprungs mit einer solchen Autorität ausgestattet ist. Verständlich daher ihre Angst. Verständlich auch ihr banges Hoffen, von einer grundlegenden Aufklärung verschont zu bleiben. Die Frage ist, ob die Realität sie nicht schon längst eingeholt hat.

Horst Dittrich, Oelde

Der Artikel geht zu Unrecht davon aus, dass das »Unbehagen an der modernen Bibelwissenschaft« eine Reaktion auf die »galoppierende Schwinds

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