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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

Von einem Vater, der das Sohnesopfer verweigert

Die düstere Joseph-Geschichte des Patrick Roth

Ein Roman im Jahre 2012 über Joseph? Nein, nicht über den des Alten Testaments. Dessen Geschichte hatte ja schon Thomas Mann in vier großen Bänden zwischen 1933 und 1943 neu erzählt. Welcher Autor könnte damit konkurrieren wollen? Patrick Roth erzählt in seinem Roman Sunrise die Geschichte des Joseph von Nazaret neu, des Mannes der Maria und des Vaters von Jesus. Wie aber? Die in der Genesis überlieferte Josephs-Story bringt ja immerhin eine Fülle von Schauplätzen und Ereignissen mit sich: Joseph in Ägypten! Sie birgt in sich eine ungeheure Dramatik von tiefstem Fall und höchstem Aufstieg des Helden. Da hat man als Schriftsteller »Material« in der Hand, mit dem man arbeiten kann.

Was aber liefert das Neue Testament zur Person des Joseph? Es sind denkbar kargste Informationen. Und die wenigen stammen zumeist aus den Geburts- und Kindheitsgeschichten des Matthäus- und Lukasevangeliums. Zumindest hier hat Joseph insofern eine wichtige Rolle, als er der Mann Marias ist, der akzeptieren muss, dass das Kind, das seine Verlobte austrägt, nicht von ihm, sondern von der »Kraft des Höchsten« (Lk. 1, 35) gezeugt ist. Insbesondere Matthäus baut dieses Motiv auffälligerweise aus. Er lässt eine Sensibilität für die gesellschaftlich prekäre Lage erkennen, in die Joseph geraten ist. Er nimmt sie und damit ihn als Menschen derart ernst, dass er Joseph eigens einen Traum träumen und in diesem Traum einen »Engel des Herrn« erscheinen lässt, der Joseph den tieferen Sinn dieses Ereignisses erschließt und damit Zweifel an seiner Verlobten zerstreut. Schon hatte er sich ja von ihr trennen wollen, »in aller Stille«, wie es heißt, um Maria »nicht bloßzustellen« (Mt. 1, 19 f.). Ist er doch ein Man