Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2015
Rettet das Singen
Über die Macht der eigenen Stimme
Der Inhalt:

Die Homo-Ehe ist ein Menschenrecht

von Britta Baas vom 05.06.2015
Die Iren haben sich für die volle Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe entschieden. Damit haben sie eine weltweite Debatte neu entfacht. Der Vatikan sieht darin eine Niederlage für die Menschheit. Aber warum?

Eigentlich ist alles sehr einfach: Zwei Menschen lieben sich und wollen heiraten. Warum sollten sie das nicht tun? In mehreren europäischen Staaten können sie es mittlerweile auch dann, wenn die Partner dasselbe Geschlecht haben. In Deutschland gibt es die »eingetragene Lebenspartnerschaft«. Der gestelzte Begriff soll dem Tatbestand Rechnung tragen, dass man hierzulande nach wie vor einen rechtlichen Unterschied zwischen homo- und heterosexuellen Paaren macht. Die einen dürfen gemeinsam kein fremdes Kind adoptieren, die anderen schon. Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch dieses Unterscheidungsmerkmal fällt. Die Homo-Ehe, wie die gleichgeschlechtliche Verbindung salopp genannt wird, wird immer selbstverständlicher werden. Gegner aber wird es wohl auch in Zukunft geben.

Dass zwei Drittel der Iren jetzt für die volle Gleichberechtigung homo- und heterosexueller Ehen stimmten, löste jedenfalls einen sofortigen Abwehrreflex im Vatikan aus. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der Regierungschef des Papstes, wird mit dem Satz zitiert: »Ich glaube, man kann nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien, sondern von einer Niederlage für die Menschheit sprechen.«

Worin wäre diese Niederlage zu suchen? Aus Sicht Parolins wird das katholische Verständnis von »Natur« und »natürlicher Geschlechterordnung« in einer Abstimmung wie der irischen mit Füßen getreten. Doch diese Sicht auf Welt und Geschlecht ist nicht einfach »katholisch« zu nennen. Sie spiegelt lediglich eine »Natur« wider, »wie sie zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt verstanden wurde – etwa in den Spielarten eines theologischen Physikalismus des 18. und 19. Jahrhunderts«, erklärt Regina Ammicht Quinn, katholische Theologin mit Lehrstuhl in Tübingen und Sprecherin des Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften (IZEW): »Ältere Traditionen des Naturrechtsdenkens sind da viel differenzierter.«

Warum sind diese Traditionen im Vatikan nicht präsent? Und käme es nicht darauf an, eine menschliche Beziehung zu würdigen, statt an einem bestimmten Bild von der göttlichen Ordnung der Natur festzuhalten? Gott sei Dank ist die katholische Ethik wissenschaftlich nicht bei neuscholastischer Metaphysik hängen geblieben, sondern stellt die Rationalität des Menschen ins Zentrum ihres Interesses. Dass kulturelle Leistungen das Leben verbessern, Ausgegrenzte

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen