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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2015
Rettet das Singen
Über die Macht der eigenen Stimme
Der Inhalt:

»Brot für die Bank«

von Thomas Seiterich vom 05.06.2015
Zum 300. Mal halten die »Ordensleute für den Frieden«ihre Mahnwache vor der Deutschen Bank – gegen die tödlichen Folgen des Kapitalismus

Klacker, klacker, klack – Gregor Böckermann rasselt mit dem Kleingeld in der Spendenbüchse auf dem Vorplatz der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. »Ich starte heute die Aktion ›Brot für die Bank‹«, sagt der 75-jährige Aktivist und frühere Ordenspriester der Afrikamissionare: »Denn in München stehen drei Chefs der Deutschen Bank vor Gericht – Fitschen, Breuer und Ackermann –, weil sie dem Fernseh-Mogul Leo Kirch übel mitgespielt haben.« Böckermann wird den Sammelertrag aus seiner Blechbüchse den angeklagten Bankbossen überreichen, wenn im Herbst in München das Urteil über die Herren gesprochen ist.

Es ist ein sonniger Donnerstagnachmittag, und die Initiative Ordensleute für den Frieden und ihre Freunde (IOF) veranstaltet vor »Soll« und »Haben«, den beiden 155 Meter hohen Zwillingstürmen der Deutschen Bank, ihre monatliche Demonstra tion. »Im Juni ist unsere 300. Mahnwache«, sagt Gernot Dietmann. »Seit zwölf Jahren bin ich dabei, an jedem ersten Donnerstag im Monat«, sagt der Rentner, der gemeinsam mit seiner Frau demonstriert.

»Diese Wirtschaft tötet! Papst Franziskus«, so steht es auf Umhänge-Plakaten, die der Eschborner Architekt und Pax-Christi-Veteran Helmut Schießer (83) gestaltet hat. Die Rentnerin Marianne Langweg trägt solch ein Plakat. »Ich bin vor 16 Jahren zum Protest vor der Bank gestoßen. Damals, zum Erlassjahr, gingen wir zu Fuß von Frankfurt nach Köln, um die Entschuldung armer Länder zu fordern. Dabei imponierten mir die Ordensleute für den Frieden, weil sie so glaubwürdig waren.«

»Heute demonstrieren weniger Ordensmitglieder als früher«, sagt Klarissa Watermann. Die hochgewachsene Sozialarbeiterin ist vom Hauptbahnhof, wo sie in der Bahnhofsmission arbeitet, für eine Stunde hergeradelt. Watermann trägt Zivil und ein kleines Kreuz in Schwarz und Weiß, das sie als Dominikanerin ausweist. »Ja«, sagt sie und lacht, »wir haben an Papst Franziskus geschrieben. Wir haben von unseren Mahnwachen erzählt und ihn eingeladen, wenn er mal in Deutschland ist, bei uns vorbeizuschauen.« Die Sechzigjährige leitete acht Jahre lang das politische Gerechtigkeits- und Friedensbüro der Dominikanerinnen weltweit. Aus Rom kam sie nach Frankfurt, ins Bahnhofsviertel. »Ich wollte genau dorthin, ins ganz Handfeste, nach so viel Jahren internationaler Lobby- und Gremienarbeit«, sagt Waterma

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