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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 11/2014
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Wie fairer Fußball geht
Der Inhalt:

Revolution auf den Feldern

von Knut Henkel vom 13.06.2014
Bisher führte die biologische Landwirtschaft in Bolivien ein Nischendasein. Doch das könnte sich jetzt ändern

Bei den vielen Regenfällen ist es derzeit gar nicht einfach, das Gemüse ohne gelbe Stellen auf den Markt zu bringen«, stöhnt Fani Caroline Crespo Salazar und rollt mit den Augen. Sie fühlt mit ihrem Schwager, der für den Anbau von Brokkoli, Mohrrüben oder Blattsalat verantwortlich ist und derzeit alle Hände voll zu tun hat, um das Gemüse heil vom Feld zum Markt zu bekommen. Zweimal die Woche, mittwochs und samstags, baut sie ihren Verkaufsstand auf. Denn die Nachfrage nach Biogemüse steigt stetig. »Wir haben uns mittlerweile einen Kundenstamm aufgebaut, der regelmäßig kommt und dafür sorgt, dass wir von unserer Arbeit leben können«, sagt die 35-jährige Bolivianerin lächelnd. Im sechsten Jahr kommt sie Mittwochmorgen um acht Uhr zur Ecoferia im Parque la Torre nahe der Universität der Großstadt Cochabamba.

Der kleine Biomarkt mit rund zwei Dutzend Anbietern gehört zu den ältesten in Bolivien und hat gerade sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert. Für zusätzlichen Schub sorgt seit zwei Jahren das nationale Biosiegel. »Das hat bei den Konsumenten für zusätzliche Glaubwürdigkeit gesorgt«, so Alberto Cárdenas. Der Agraringenieur arbeitet für die Stiftung Agrecol Andes, die sich im Bereich der städtischen und kleinbäuerlichen Landwirtschaft engagiert sowie den Ausbau des Bioanbaus in Bolivien fördert.

Das Problem beim Bioanbau war lange, dass Produkte wie Kaffee, Kakao, die Andengetreide Quinoa, Amaranth und auch Paranüsse en gros exportiert werden. Deren Bioqualität wird von internationalen Gesellschaften für den internationalen Markt jedes Jahr genau kontrolliert und dann zertifiziert. »Das ist jedoch ausgesprochen kostspielig, und Kleinbauern und kleine Genossenschaften können sich das oft nicht leisten«, erklärt Alberto Cárdenas. »Deshalb hat das bolivianische Agrarministerium im Frühjahr 2012 ein alternatives nationales Siegel für den heimischen Markt eingeführt.«

Die Idee dahinter ist einleuchtend: Bioprodukte sollen nicht nur exportiert, sondern auch in Bolivien gekauft werden. Dafür muss die Bioware allerdings günstig sein. Daher hat man sich auf ein nationales Biolabel verständigt, dessen Standards eben nicht von internationalen Experten, sondern von Produzenten, Konsumenten und einem nationalen staatlichen Akteur kontrolliert werden.

Vertrauen durch ein Biosiegel

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